Omar al-Bashir soll verhaftet werden

4. März 2009, 18:49
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General ohne Gnade im Visier der Justiz

Wenn Sudans Präsident Omar Hassan al-Bashir richtig wütend ist, verzerrt sich sein Gesicht zu einer bösartigen Grimasse. Dann bleckt der 65-Jährige die Zähne und sagt Dinge, die andere später bereuen würden. Vor drei Jahren etwa - der UN-Sicherheitsrat trieb ihn in Sachen Blauhelmeinsatz für Darfur zunehmend in die Enge - drohte Bashir den Vereinten Nationen mit einem heiligen Krieg. Und so groß wie jetzt dürfte seine Wut noch nie gewesen sein.

Denn seit Mittwoch ist Bashir offiziell flüchtig. Die Richter des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag sehen die Vorwürfe wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur als so stichhaltig an, dass sie einen internationalen Haftbefehl erlassen haben. Sollte Bashir den Boden eines der 108 Staaten betreten, die dem Römischen Statut beigetreten sind, droht ihm die Festnahme.

Zwar wettert Bashir, die Richter könnten ihre Entscheidung "essen". Doch zweifellos ist er in seinem Stolz verletzt - und etwas Schlimmeres, so sagen Wegbegleiter, kann man dem Sohn eines einfachen Bauern nicht antun. Als er etwa 2005 einen Friedensvertrag unterzeichnete, der mehr als 20 Jahre Bürgerkrieg im Süden beendete, war es Bashir besonders wichtig, jedes Anzeichen von Schwäche zu vermeiden: "Wir haben das Abkommen unterzeichnet, während wir eine Siegesserie hatten."

Seine fehlende Bildung gleicht der gewiefte Taktiker mit einem martialischen Auftreten aus, das seine Gegner einschüchtern soll.

Bashirs wahre Heimat ist ohnehin das Militär: Mit nur 16 Jahren trat er in die sudanesische Armee ein. Er kämpfte 1973 im Jom-Kippur-Krieg an der Seite ägyptischer Truppen gegen Israel und in den 1980er-Jahren gegen die Rebellen im Südsudan. 1989 putschte er sich an die Macht - mit Unterstützung des Islamisten Hassan al-Turabi, den Bashir später ins Gefängnis werfen ließ. Zu islamistischen Parolen greift er seitdem nur noch, wenn es seinen persönlichen Zwecken dient.

Während im westsudanesischen Darfur noch gekämpft wird, facht Bashir im Südsudan bereits den nächsten Bürgerkrieg an. Er hetzt Volksgruppen gegeneinander auf und versorgt die Feinde seiner Feinde mit Waffen und militärischem Gerät.

Genauso hält er seit sechs Jahren den Konflikt im westsudanesischen Darfur am Kochen. Nur ist der Einsatz dort ungleich höher: Denn im Südsudan lagert das Erdöl, das Omar al-Bashirs autokratische Herrschaft finanziert. (Marc Engelhardt/DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2009)

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