Jedem Wiener Kind sein Betreuungsplatz

4. März 2009, 18:34
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Gratis allein reiche nicht, sagt die Wiener ÖVP und fordert namens der Privatkindergärten für jedes Kind einen Rechtsanspruch auf einen Platz

Wien - "Eltern haben nichts davon, wenn es einen Gratiskindergarten gibt, aber keinen Rechtsanspruch auf einen Platz", sagt ÖVP-Gemeinderätin Monika Riha. Der Wiener Gratiskindergarten für Null- bis Sechsjährige sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, die Schwierigkeiten lägen aber im Detail, sagt Riha, die auch Geschäftsführerin des Kindergarten-Trägervereins "Kinder in Wien" (KiWi) ist.

Das Recht auf einen Betreuungsplatz für Kinder von drei bis sechs Jahren sollte landesgesetzlich verankert werden, fordert Riha. "Für berufstätige Alleinerzieherinnen oder Paare sollte dies bereits ab dem ersten Lebensjahr des Kindes gelten."

Wie berichtet, werden ab September Krippen und Kindergärten in Wien für Kinder aller Altersgruppen gratis sein. Zusätzlich zu den 265 Millionen Euro, die Wien jährlich für die Kindergärten aufwendet, werden ab 2010 jedes Jahr 75 Millionen aus dem regulären Budgettopf fließen.

"Die Kindergärten der Stadt Wien sind voll, und auch wir Privaten haben keine Kapazitäten mehr" , sagt Ruth Odehnal, Kindergartenpädagogin bei "Kinder in Wien" , einer privaten Betreuungsstätte, die rund sechs Prozent der bis Sechsjährigen betreut. Die Hälfte der Kinder ist in Wien in Obhut privater Träger.

"Nur 30 Prozent der Absolventinnen üben den Beruf aus" , sagt Riha. Eine Verbesserung der Ausbildung würde den Beruf auch wieder attraktiver machen. "Es sollte zum ehestmöglichen Zeitpunkt ein akademischer Lehrgang für Kindergarten-Pädagoginnen an den Hochschulen eingerichtet werden." Die Nachfrage ist groß: Laut Riha bemühten sich derzeit um eine Pädagogin oftmals sogar fünf Trägervereine gleichzeitig.

Ein Grund dafür liegt laut Martina Petzl-Bastecky, Personalvertreterin für Wiener Kindergärten, darin, dass viele Kindergärtnerinnen in andere Bundesländer abwanderten. "Derzeit sind in Wien 140 Planstellen für Kindergartenpädagoginnen nicht besetzt" , auch die neuen Ausbildungsangebote für Quereinsteigerinnen könnten den Personalmangel nicht wettmachen. Obwohl die Ausbildung "wirklich funktioniert" , wie Petzl-Bastecky im Gespräch mit dem Standard betont. Außerdem sei die Bezahlung nicht mehr adäquat - nach mehr als 20 Dienstjahren verdient eine Kindergärtnerin knapp 1600 Euro netto.

Die Wiener VP fordert zudem, dass die Eltern bei der Auswahl des Kindergartens freie Wahl haben sollen. Ein Gutschein-Modell, wie es in Hamburg praktiziert werde, sei ein gangbarer Weg, so Riha. Der Gutschein sollte je nach Bedarf gelten: halbtags, ganztags oder für eine Betreuung von mehr als zehn Stunden. Riha: "Der Vorteil wäre, dass das Modell unbürokratisch ist und die Wahlfreiheit bei den Eltern liegt, da der Gutschein in allen Kindergärten Wiens Gültigkeit hätte."

100 Millionen zusätzlich

Derzeit werden in Wiens Kindergärten 85 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen betreut. Für ein flächendeckendes Angebot fehlten noch 15 Prozent, das entspreche 4500 Plätzen, sagt Riha. Bei den unter Dreijährigen liege die Betreuungsquote in Wien bei 23 Prozent (Schlusslicht Steiermark: 5,6 Prizent). Laut EU-Vorgabe sollte es ein Drittel sein. "Die versprochenen 1000 Plätze für 2009 decken maximal ein Fünftel des Bedarfs" , sagt Riha. Um diesen zu decken sei ein Sonderbudget der Stadt Wien von 100 Millionen Euro nötig. (Bettina Fernsebner-Kokert, Julia Schilly, DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2009)

  • Der Gratiskindergarten kommt ab Herbst, das ist in Wien fix. Über die Umsetzung wird derzeit noch debattiert.
    foto: standard, corn

    Der Gratiskindergarten kommt ab Herbst, das ist in Wien fix. Über die Umsetzung wird derzeit noch debattiert.

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