Hollywood am Vogelweidplatz

4. März 2009, 18:37
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Das Event bringt Superstars nach Wien und ist ein gutes Geschäft: Ein Prozentsatz der Gelder geht tatsächlich an NGO - Analyse

Wien - Keine Frage: Der Donnerstagabend wird "mega". Schließlich passiert es nicht alle Tage, dass sich Prominente von den internationalen AAA-VIP-Listen nach Wien verirren: Monica Belluci, Angela Missoni oder Anastacia etwa. Sie sind nur einige derer, die die sonst eher biedere Wiener Stadthalle für einen Abend im Glanz der großen Welt erstrahlen lassen.

Weltweite Glamour-Media-Präsenz

"Hollywood am Vogelweidplatz" lautet das Motto, auf das sich die Boulevardpresse seit Tagen einschreibt: Jordaniens Königin Noor wird im Rahmen des "Women's World Award" Frauen ehren. Für herausragende Leistungen oder für humanitäres Engagement. Und nur böse Menschen unterstellen, dass bei einigen der Verdienst vor allem darin besteht, prominent zu sein: Das sorgt für weltweite Glamour-Media-Präsenz. Das freut (internationale) Sponsoren ebenso wie (lokale) Politik und Touristik. Und die Chance auf "exklusive" Wortspenden lässt auch die Medien mitspielen.

Kopie eines Männerpreises

Aber der Reihe nach: Der "Women's World Award" findet heuer zum vierten Mal statt. Nach Hamburg, Leipzig und New York schlägt Georg Kindel seine Zelte nun in Wien auf. Kindel weiß, worauf es bei VIP-Events ankommt. Zum einen, weil er als Journalist - er war lange Society-Chef bei News - die Norm-Abläufe internationaler Red-Carpet-Veranstaltungen kennt. Zum anderen, weil das Konzept des Frauenpreises eine glänzende - aber eben doch - Kopie ist: die eines Männerpreises.

Denn 2000 ließ Kindel erstmals Männer ehren. Für Engagement oder Lebenswerk etwa. Von Richard Branson bis Placido Domingo wurden da Promis geehrt - dementsprechend war das Echo.

Noch dazu, wo Kindel mit Michail Gorbatschow einen besonderen Trumpf hatte. Dass "Mr. Perestroika" (wie andere Ex-Politiker auch) sich kaum gratis als Zugpferd einsetzen lässt, bleibt aber in der Glam-Presse ausgespart: "Miet-Promis" hat Richard Lugner - alle anderen Gastgeber überzeugen ihre "Gäste" mit Charme.

Non-profit-Engagement - aber nur beinahe

Summen, die es offiziell nicht gibt, werden daher auch nicht genannt. Doch die Rechnung geht auf. Dafür spricht die Wiederholung der "Men's Awards" - und die Erfindung der "Women's Awards". Und die Award-Homepage: Im Bereich "Sponsors" werden da unterschiedlichste "Partnerschaften" minutiös - ohne Summen zu nennen - beschrieben: Gleichzeitig soziale Verantwortung und Markenpräsenz zu zeigen ist ja nicht verwerflich. Ein Teil der Gelder geht ja an Frauenprojekte.

Das klingt nicht nur gut - sondern auch nach Non-profit-Engagement. Aber nur beinahe: Nicht der "Women's World Award", sondern lediglich eine Sub-Organisation, das "Women's World Forum", arbeitet nicht profitorientiert. Das "Forum" verteilt Gelder, die vom "Award" kommen. Wie viel? "Einen Prozentsatz", sagt die Homepage. Kindel selbst ließ dem Standard ausrichten, er habe keine Zeit für ein Interview.

Mancher Gewinnerinnen tut so viel Hinterfragen unrecht

Das Dabeisein bei globalen Promi-Events ist vielen Menschen viel Geld Wert: VIP-Pakete für den "wichtigsten Frauenpreis der Welt" (so die Homepage des Anbieters gullivers.at) gibt es ab 1000 Euro. Pro Person. Inklusive Cocktailempfang und Aftershow-Party. Freilich: Den Anliegen mancher Gewinnerinnen tut so viel Hinterfragen tatsächlich unrecht. Etwa Nojoud Ali, jener zehnjährigen Jemenitin, die ihre Zwangsheirat bekämpfte. Oder der Friedensnobelpreisträgerin Betty Williams.

Unglamouröse Frauen kein Thema

Doch schon im Vorfeld tauchten diese unglamourösen Frauen in vielen Berichten gar nicht auf. Ganz im Gegensatz zu Kelly Clarkson. Clarkson erhält den Preis, heißt es in einer Vorausmeldung, "für ihre künstlerische Leistung, mit der sie ... ein neues Genre mitbegründete". Kelly Clarksons Leistung war es, die erste Ausgabe von "American Idol" zu gewinnen. "American Idol" war die erste große TV-Castingshow - also die Mutter von "Starmania". (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.3. 2009)

  • Preise für weltberühmte Frauen: 2006 wurde Whoopi Goldberg geehrt. Im Hintergrund blinzelt die ungleich glamourösere "Desperate Housewife" Teri Hatcher ins Bild.
    foto: world awards media

    Preise für weltberühmte Frauen: 2006 wurde Whoopi Goldberg geehrt. Im Hintergrund blinzelt die ungleich glamourösere "Desperate Housewife" Teri Hatcher ins Bild.

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