Träumen und tanzen

5. März 2009, 17:20
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Der Mainstream-Pop aus den 80er-Jahren kehrt zurück: das australische Duo Empire Of The Sun und sein Album "Walking On A Dream"

Christian Schachinger leidet sich durch.


Dass der aus dem australischen Perth kommende Multiinstrumentalist und Songwriter Luke Steele einen an der Klatsche hat, hörte man während der letzten Jahre des Öfteren. Mit seiner nach zahllosen Musikerrauswürfen und -umbesetzungen weitgehend im Alleingang geführten Band The Sleepy Jackson schuf er zwar wunderbar sanftmütige und schwelgerische Popsongs. Die wären so auch einem George Harrison oder Jeff Lynne vom Electric Light Orchestra oder auch Brian Wilson von der Hand gegangen.

Die zwei 2003 und 2006 veröffentlichten Alben Lovers und Personality (One was a Spider, one was a Bird) hatten allerdings kommerziell gesehen mit einem entschiedenen Manko zu kämpfen. Man kann auch potenzielle Hits wie Good Dancers, Higher Than Hell oder God Knows versemmeln, wenn man sie nicht ordentlich verkaufen will. Steele behandelte nicht nur seine Musiker schlecht, er ging auch äußerst unwirsch mit dem Dienstpersonal der Plattenfirma um. Er sagte kurzfristig Fernsehauftritte und Konzerte in den USA ab, flog von Australien nach London, um dort exakt kein einziges Interview zu geben. Kurz, Luke Steele gibt sich als künstlerisches Genie, das man lieber aus der Ferne bewundert und konsumiert.

Mit seinem möglicherweise auch nicht auf ewig betriebenen neuen Projekt Empire Of The Sun, das im Internet bereits ein halbes Jahr vor dem Erscheinen des Albums Walking On A Dream heftig bejubelt wurde, versucht Steele ein zweites Mal groß durchzustarten. Gemeinsam mit Nick Littlemore von den in Sydney beheimateten, in Europa weitgehend unbekannten australischen Pet Shop Boys, dem Synthiepop-Duo Pnau, liefert Steele nun nicht nur den derzeit auf den Pariser und Mailänder Laufstegen angesagtesten Sound für dünne Menschen auf dünn machenden Drogen. Die aktuell brüllend modernen Schulterpolster und 80er-Jahre-Schnitte finden in den Songs von Empire Of The Sun auch durchaus ihre musikalische Entsprechung.

Zwar stecken unsere beiden Helden selbst in Kostümen, die selbst damals in Star Wars als etwas würdelos empfunden worden wären. Der käsige Mainstream-Sound der frühen 80er-Jahre kommt in New-Romantic-Songs wie Walking On A Dream oder Without You allerdings bestens zur Geltung. Hier lassen nicht nur Titanen des Grauens wie Supertramp, Hall & Oates oder Fleetwood Mac grüßen. Mit elektronischem Böllerschlagzeug und schleimhautreizenden Keyboards bemüht man sich auch heftig darum, Frisurenbands wie die späten The Human League, Duran Duran, Spandau Ballet oder, tapfer sein, Richard Sanderson und Dreams Are My Reality (aus La Boum!) wieder aus den Gräbern zu holen.

Das klingt so schlimm, wie es sich liest. Dennoch verbreitet dieses Grauen natürlich auch Charme. Wer bei den Originalen schon dabei war, ist gegen Schulterpolstermusik ohnehin für immer immun. Der jüngere Hörer freut sich darüber, dass zeitgenössische Helden wie Phoenix, MGMT oder Daft Punk nun auch endlich eine Konkurrenz bekommen haben, die tatsächlich Songs schreiben kann. Unterm Strich bleibt nämlich, dass Luke Steele und Nick Littlemore für Melodien ein tödlich gutes Händchen besitzen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.3.2009)

  • Luke Steele, das schwierige Genie, entdeckt die Musik seiner Kindheit. "Star Wars" war damals wohl auch gerade populär. 
 
    foto: emi

    Luke Steele, das schwierige Genie, entdeckt die Musik seiner Kindheit. "Star Wars" war damals wohl auch gerade populär.

     

  • Ab 13. 3. im Handel
    foto: emi

    Ab 13. 3. im Handel

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