Per Umleitung zum Staatskapital

4. März 2009, 17:51
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Bei den Volksbanken erfordert die Sanierung neben einer öffentlichen Geldspritze eine massive Umstrukturierung

Bei den Volksbanken erfordert die Sanierung neben einer öffentlichen Geldspritze eine massive Umstrukturierung. Die Erste Bank dürfte zusätzliches Staatskapital für ihre Österreich-Tochter
aufnehmen.

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Wien - Der Machtkampf, der sich rund um die Inanspruchnahme von Staatskapital durch die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG; sie hat die Ermächtigung, bis zu eine Milliarde Euro zu holen) entsponnen hat, ist am Dienstag gegen 24 Uhr für den Genossenschaftsverband ausgegangen.

Bei der ÖVAG-Aufsichtsratssitzung wurde ein "Kombinationsmodell von PS-Kapital und genossenschaftlichen Selbsthilfemaßnahmen" beschlossen, teilte die Bank am Mittwoch mit. Demnach werden Volksbank Wien, Volksbank Linz-Mühlviertel sowie Immo- und Ärztebank verkauft, 300 Mio. Euro "in Form von Eigenleistungen der Aktionäre" aufgebracht.

Wie berichtet hat sich ÖVAG-Chef Franz Pinkl im Vorfeld angesichts der wirtschatlichen Lage gegen die Inanspruchnahme des sektorinternen Gemeinschaftsfonds (ein Hilfsfonds) gewehrt. Er dürfte aber in der fast neunstündigen Sitzung eingelenkt haben, "wir machen in voller Besetzung weiter" , verlautete aus der Bank. Im ÖVAG-Management wird die Lösung nun als "Selbsthilfe im Sektor und als Schulterschluss" interpretiert.

Ein Abgang Pinkls würde in der jetzigen Lage (die Bank erwartet hohe Verluste für 2008) offenbar zu sehr verunsichern - wie die Lösung bei den Analysten ankommt, wird sich sehr bald erweisen: Gleich am Mittwoch-Vormittag war der Vorstand zu Analystengesprächen eingeladen. Einer der Gründe für die jetzige Lösung dürfte auch in der wirtschaftlichen Lage der Bank liegen, es geht nämlich schlicht auch um Kostenfragen, wie es heißt. Das PS-Kapital vom Staat kostet 9,3 Prozent im Jahr.

Die Aufsichtsratssitzung, in der das abgeänderte Paket abgestimmt werden soll (nach einer weiteren außerordentlichen Hauptversammlung am 20. März) findet am 26. März statt, bis dahin muss die endgültige Aufteilung also feststehen, man müsse noch "eine faire Bewertung" auch der Volksbank Wien erstellen. Der sektorinterne Verkauf der Volksbank Wien und anderer Töchter könnte den Deal dem Vernehmen nach aber noch einmal verzögern - weil er "die Gewichtungen" verschiebt, wie es im Finanzministerium heißt.

Bei der Erste Group, die sich 1,9 Mrd. Euro vom Staat holen will, könnte es noch zu Verschiebungen kommen. Anstatt das Volumen gänzlich in Form von Partizipationskapital abzurufen, liebäugelt die Bank mit Hybridkapital vom Staat. Damit könnte die Dividendenbeschränkung umgangen werden: Diese ist vorgesehen, wenn bei den öffentlichen Finanzspritzen nicht mindestens ein Drittel privat aufgebracht wird.

Das Hybridkapital soll von der Erste Bank Österreich aufgenommen werden, der für das nationale Geschäft zuständigen Tochter: Bei ihr wäre es nicht so tragisch, wenn sie keine Dividende ausschüttet (das Ergebnis wird ohnehin für den gesamten Konzern ausgewiesen). Das Eigenkapital könnte für die gesamte Gruppe ausgewiesen werden.

Die Verzinsung fürs Hybridkapital liegt bei mindestens 8,15 Prozent, richtet sich nach Marktbedingungen. Das Hybridkapital hat also für die Bank den gleichen Kapitaleffekt, ist aber billiger. Nach fünf Jahren wird sowohl das PS-Kapital als auch Hybrid teurer, maximal steigt der Zinssatz auf 150 Prozent. Insgesamt will sich Erste-Chef Andreas Treichl 2,7 Mrd. Euro holen, rund 800 Mio. Euro von Privaten. Sollte sich das Vorhaben entgegen Treichls Überzeugung als schwierig erweisen, könnte die Wiener Städtische als lender of last resort einspringen, heißt es. (as, gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.03.2009)

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    Baustelle Volksbanken. Die Gruppe speckt das Spitzeninstitut ÖVAG ziemlich ab, die Primärbanken legen dafür 300 Mio. Euro auf den Tisch.

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