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"Auch für Leute, die mit Musicals nichts am Hut haben"

4. März 2009, 17:33
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Rasmus Borkowski und Hanna Kastner über die Proben und gespielte Kampfszenen, die unter die Haut gehen

derStandard.at: Spring Awakening hat acht Tonys, einen Grammy und zahlreiche andere Auszeichnungen gewonnen. Wie geht man als junger Schauspieler mit so einer Vorgabe um?

Hanna Kastner: Wenn ich mir das vor Augen halte, bekomme ich ganz schön Herzklopfen. Dieser große Erfolg spricht ja sehr für das Stück und es ist für mich eine riesengroße Ehre, Teil der deutschen Erstaufführung zu sein. Allerdings tragen wir als Darsteller jetzt natürlich die große Verantwortung, diesem Erfolg gerecht zu werden.

Rasmus Borkowski: Ich glaube, dass "Spring Awakening" all diese Preise gewonnen hat, da in New York auf einem künstlerisch sehr hohen Niveau gearbeitet wurde, was natürlich auch Auswirkungen auf unsere Arbeit hier in Wien hat. Wir arbeiten mit dem selben phantastischen Regisseur Michael Mayer, der, genauso wie unser Musikalischer Leiter Perrin Alen, sehr hohe Ansprüche an uns stellt.

Für mich hebt sich "Frühlings Erwachen - Das Rock Musical" von einigen anderen Musicals ab, da es in seiner Einfachheit funktioniert und nicht durch große Effekte überzeugen will. Es gibt leider immer wieder Produktionen in denen vergessen wird, worum es eigentlich geht: Um Menschen, die eine Geschichte erzählen.

derStandard.at: Inwieweit hast du dich an der Originalbesetzung orientiert?

Borkowski: Gar nicht. Ich habe die Originalbesetzung nie gesehen oder getroffen.

Kastner: Als ich vor ungefähr einem Jahr das erste Mal von Spring Awakening gehört habe, habe ich mir einige Videos angesehen und war sofort total hin und weg von dem Stück, der Musik und den Darstellern. Besonders begeistert war ich von Lea Michele, die die Rolle der Wendla in der Originalbesetzung gespielt hat. Ich habe aber seit Probenbeginn vermieden, mir die Originalaufnahmen anzuhören. Denn, so sehr ich die Originalbesetzung auch bewundere, ich möchte ja niemanden kopieren, sondern meine eigene "Wendla" finden.

derStandard.at: Wie wurde das Musical einstudiert? Waren Künstler, Choreographen, Komponisten (vielleicht Duncan Sheik) in Wien?

Kastner: Ja, wir haben das große Glück einen Teil des Original-Leading Teams bei uns zu haben. Kimberly Grigsby, die die Songs mit uns einstudiert hat, Eric Sprosty, Stage Manager der Spring Awakening US-Tour, die Choreographen Joann Hunter und Jason dePinto. Und natürlich Michael Mayer, der - wie auch in New York - bei uns Regie führt. Sie alle kennen das Stück natürlich sehr gut und man merkt, dass es ihnen allen sehr am Herzen liegt.

Borkowski: Duncan Sheik haben wir bisher leider noch nicht persönlich kennen gelernt.

derStandard.at: Der Komponist des Stücks, Duncan Sheik, meinte, dass das Besondere an dem Stück ist, dass auch junge Menschen sofort einen Draht zu Musik finden. Kannst du das nachvollziehen?

Borkowski: Ich glaube, dass junge Menschen sehr schnell eine enge emotionale Verbindung zur Musik aufbauen. Speziell zu der von Duncan Sheik.

Kastner: Ja, absolut! Die Musik ist unglaublich, sie ist mitreißend, zugleich aber auch berührend. Ich denke, dass genau diese Mischung das Besondere an der Musik von Frühlings Erwachen ist. Dadurch dass die Songs in einem sehr zeitgenössischem Pop/Rock bzw. Folk/Rock Stil geschrieben sind, kann es das Stück sicher schaffen, auch junge Leute anzusprechen, die sonst vielleicht nichts mit Theater oder Musical am Hut haben.

derStandard.at: Wie hat die deutsche Übersetzung funktioniert? Habt ihr schon die endgültige Übersetzung bekommen, oder wurde während der Proben noch daran herumgefeilt?

Kastner: Wir haben zu Probenbeginn eine Vorab-Version bekommen, an der bis zuletzt noch herumgefeilt wurde. Es handelt sich ja um die Deutschsprachige Erstaufführung, da muss natürlich in jeder Linie das Beste herausgeholt werden. Für mich ist es sehr spannend, Teil dieses kreativen Prozesses zu sein.

derStandard.at: Rasmus, der Charakter des Melchior ist teilweise gewalttätig gegenüber der Rolle der Wendla. War das eine Überwindung, wie schlüpft man in diese Rolle?

Borkowski: Wir haben das Schritt für Schritt erarbeitet. Es ist aber natürlich immer wieder eine Überwindung.

Kastner: Die Misshandlungsszene ist wirklich heftig. Ich hätte auch nie geahnt welchen Effekt so eine Szene auf mich hat. Natürlich habe ich keine physischen Schmerzen dabei, aber geschlagen zu werden ist einfach unglaublich demütigend, auch wenn es "nur gespielt" ist. So etwas zu spielen ist eine ganz neue Erfahrung für mich.

derStandard.at: Hast du dir Tipps von Kampfkoordinator Jason de Pinto geholt?

Borkowski: Natürlich. Ich kann ja nicht einfach auf meine Patnerin einschlagen. Wir haben diese Szene mit Jason sehr genau erarbeitet. Sicherheit steht bei diesen Dingen immer an erster Stelle.

Kastner: Wie kann man die Schläge echt aussehen lassen, ohne den Spielpartner wirklich zu treffen, wie erzeugt man die Reaktionen auf die Schläge, wie fällt man richtig, ohne sich zu verletzen? Bei diesen Fragen stand uns Jason mit Rat und Tat zur Seite.

derStandard.at: Vereinsamung, Orientierungslosigkeit: Denkst du hat Franz Wedekinds Stück auch heute noch aktuelle Bezüge?

Kastner: Liebe und Sexualität sind zwar nicht mehr die Tabuthemen, die sie damals waren. Aber das Unverständnis Erwachsener gegenüber Jugendlichen ist auch heute oft noch dasselbe. Und gerade Themen wie Leistungsdruck, die Unterdrückung der Rebellion der Jugend und Schwangerschaft bei Jugendlichen sind heute durchaus noch aktuell. (jus, derStandard.at, März 2009)

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