"Buchhandel der nächsten Generation"

4. März 2009, 18:13
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Wiener Start-up Hixbooks vertreibt elektronische Bücher nicht nur online, sondern auch in Buchläden - "Gestochen scharf" und um "20 bis 50 Prozent" billiger, versprechen die Unternehmer

Was Amazon mit seinem Kindle in den USA ist, will Hixbooks in Europa werden. Wenn der Büchermarkt revolutioniert wird, möchte das Wiener Start-up aus der Pole-Position durchstarten. Die Zukunft des Lesens soll digital sein. Das hoffen zumindest die heimischen Unternehmer und wollen mit ihren elektronischen Büchern von Wien aus den Rest Europas erobern. E-Books sparen Platz, sind billiger und jederzeit verfügbar, führt Daniel Schreiner, Geschäftsführer von Hixbooks, die Vorteile gegenüber dem Printprodukt ins Treffen. Natürlich, meint Schreiner, werden Bücher niemals aussterben. Es gehe nicht um Verdrängung, sondern einzig und alleine um eine "elektronische Ergänzung".

Mit 30 Buchhändlern im Geschäft

"Wir bieten für Verlage eine Plattform, die viele Buchhändler unter sich vereint. Die E-Books werden dann im Verkauf angeboten", skizziert Schreiner gegenüber derStandard.at das Konzept von Hixbooks. Kunden können die E-Books entweder direkt beim Buchhändler beziehen oder sie auf elektronischem Wege über die Homepage bestellen. Quasi "Buchhandel der nächsten Generation". Die Intention sei, den reinen Online-Verkäufern wie Amazon das Wasser abzugraben. "Aktuell haben wir 30 Buchhändler an Bord", sagt Schreiner. Darunter befinden sich Wiener Größen wie Morawa oder Kuppitsch. Beim Start von Hixbooks im Dezember waren zwölf Geschäfte an Bord.

"Es gibt Kunden, die sich lieber im Geschäft beraten lassen oder keine Zahlungen im Internet mögen." Deswegen setze man auf zwei Vertriebswege, nämlich Buchhandel und online. Dazu brauche es aber jede Menge Überzeugungsarbeit. Tendenziell sei die Buchbranche nämlich eine konservative, sagt einer, der es wissen muss. Schreiner war vor der Unternehmensgründung zwölf Jahre als Buchhändler tätig. Er hofft auf immer mehr, "die mit der Zeit gehen". Den Anteil an Skeptikern in dem Metier, die E-Books dezidiert ablehnen, beziffert er mit 30 Prozent.

75.000 Bücher im Katalog

Hixbooks ist noch lange nicht massentauglich. Dazu fehlen noch Bücher; und zwar sehr viele. Aktuell umfasst das Sortiment 75.000 verschiedene Titel. Zwei Drittel davon sind auf Englisch. "2.000 bis 3.000 kommen pro Woche dazu", sagt Schreiner und räumt ein: "Das ist immer noch eine sehr geringe Auswahl, wenn man die 1,2 Millionen betrachtet, die es insgesamt gibt." In Österreich habe man schon Verträge mit größeren Verlagen, derzeit strecke man die Fühler nach Deutschland aus. "Das ist der Hauptmarkt." Man brauche Geduld. Die Verlage seien gerade erst dabei, E-Books zu konvertieren. Hier hinke man dem englischsprachigen Raum, wo schon 400.000 verfügbar sind, noch weit hinter.

Taschenbuch um sechs Euro

Laut Schreiner sind die E-Books durchschnittlich um "20 bis 50 Prozent" billiger als herkömmliche Publikationen. Der Preis variiere je nach Verlag. Die Buchpreisbindung bleibt aufrecht. "Ein Taschenbuch kostet rund sechs Euro", erklärt er. Es gebe eine "hohe Akzeptanz" bei Lesern: "Die finden den Preis absolut in Ordnung." Das Prozedere, um E-Books zu erwerben, sei sehr einfach. In jedem Lesegerät befindet sich eine Kundenkarte. Entweder man geht mit dieser oder mit dem Reader in ein Buchgeschäft. Das gewünschte Exemplar wird mittels USB transferiert und ist sofort verfügbar. Alle im Sortiment befindlichen Bücher können "spätestens Ende März" auch online auf dem Hixbooks-Portal bestellt werden.

279 Euro für den Reader

Dargestellt werden die elektronischen Bücher auf einem speziellen Lesegerät. Dieses Teil nennt sich HixReader. Das Display hat die Größe einer Taschenbuchseite. "Gestochen scharf" seien die Bilder, betont Schreiner. Man habe verschiedene Modelle in petto. Das derzeit beliebteste kostet 279 Euro. Ein Preis, der viele potenzielle Kunden abschreckt? "Nein", behauptet Schreiner: "In der Anfangszeit haben die einfachen MP3-Player auch so viel gekostet." Bei dem Reader handle es sich schließlich um ein multifunktionales Gerät, das sich auch zum Musikhören eignet.

Tausende Bücher haben Platz

Der HixReader hat eine Speicherkapazität für "mehrere tausend Bücher". Der Akku reicht "im Schnitt für 42 Stunden". Die Ladezeit beträgt 60 Minuten. Als größtes Manko identifiziert Schreiner, dass die Darstellung schwarz-weiß ist. Reader mit Farbdisplays erwartet er in spätestens zwei Jahren. "Das wird dann der endgültige Durchbruch für elektronische Bücher sein", prophezeit er. Der Markt für Kinderbücher oder Reiseführer werde sich öffnen.

"Wir wollen nicht einfach nur das elektronische Pendant zum Printbuch sein", sagt Schreiner und siedelt Hixbooks "eine Stufe höher" an. Ein Asset von E-Books im Vergleich zum "normalen Lesen" manifestiere sich im "Erlebnisfaktor". Interaktive Elemente seien im Spiel: "Fremdsprachentexte sind super zu lesen, weil man ganz schnell auf ein Wörterbuch zugreifen kann. Zwei, drei Klicks und man hat ein Wort übersetzt."

Wasserzeichen statt Kopierschutz

Auf einen weit reichenden Kopierschutz verzichtet Hixbooks. Ein bewusste Philosophie, denn "Verschlüsselungen" führen nur zu verärgerten Kunden, glaubt Schreiner. "Das hat sich schon in der Musikbranche gezeigt." Um dem Urheberrecht Genüge zu tun, kommt ein digitales Wasserzeichen zum Einsatz. Name, Verkaufsort und Verlag werden vermerkt. "So besteht keine Gefahr einer kommerziellen Nutzung oder Weiterverbreitung", sagt der Unternehmer.

Kindle 2 in den Startlöchern

Ob die Rechnung aufgeht, wird sich weisen. Der lange Atem ist jedenfalls einkalkuliert. Hixbooks ist noch bis Mai über eine einjährige Förderung finanziert. Ziel ist es, sich als Marke zu etablieren, bevor der elektronische Büchermarkt so richtig in die Gänge kommt. Derzeit befindet er sich noch in den Kinderschuhen. Der nötige Schub dürfte aus den USA kommen. Amazon wird seinen Kindle 2 wohl eher früher als später auf den europäischen Markt werfen. Schreiner rechnet mit Herbst oder Frühjahr 2010. In den USA hat sich das E-Book- und E-Paper-Lesegerät zu einem Milliarden-Geschäft entwickelt. Schätzungen zufolge wurden bis jetzt einige hunderttausend Stück verkauft. Bei einem Kaufpreis von rund 350 Dollar ergibt das eine stolze Summe.

Leser sind aufgeschlossen

Experten prognostizieren den E-Books einen Marktanteil von 25 Prozent in fünf Jahren. Schreiner hält das für "zu optimistisch" und spekuliert mit "zehn bis 15 Prozent". "Hörbücher haben auch lange gebraucht, um sich durchzusetzen", hofft er, dass die Leser ihre Skepsis bald ad acta legen werden. Zumindest dürfte es keine "ideologische" Frage sein. Laut einer Umfrage in Deutschland können sich immerhin 85 Prozent theoretisch vorstellen, E-Books zu konsumieren. Ein wichtiges Kriterium ist der Preis: 72 Prozent der Befragten würden für einen E-Book-Reader maximal 200 Euro ausgeben. (Oliver Mark, derStandard.at, 4.3.2009)

  • Dieses Modell wurde von der Firma iRex Technologies unter dem Namen iLiad entwickelt. Größe: 215 x 155 x 16 mm. Gewicht: 400 g. Die Anzeige erfolgt in 16 Graustufen bei einer Auflösung von 768 x 1024 Pixel.
    foto: hixbooks

    Dieses Modell wurde von der Firma iRex Technologies unter dem Namen iLiad entwickelt. Größe: 215 x 155 x 16 mm. Gewicht: 400 g. Die Anzeige erfolgt in 16 Graustufen bei einer Auflösung von 768 x 1024 Pixel.

  • Dieses Modell kommt von der Firma Bookeen. Größe: 118 x 188 x 8,5 mm. Gewicht: 174 g. Die Anzeige von Bild und Text erfolgt in 4 Graustufen bei einer Auflösung von 600 x 800 Pixel.
    foto: hixbooks

    Dieses Modell kommt von der Firma Bookeen. Größe: 118 x 188 x 8,5 mm. Gewicht: 174 g. Die Anzeige von Bild und Text erfolgt in 4 Graustufen bei einer Auflösung von 600 x 800 Pixel.

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