Antifeministische Klischees und Männerrechtler

8. März 2009, 10:00
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Angehörige des mächtigen Geschlechts empfinden subjektiv oft "Ohnmacht", weiß Männerforscher Lehner - Frauenrechtlerinnen müssen dagegen oft klarstellen, dass sie keine "Männerhasserinnen" sind

Wien - Um das Image des Feminismus hat man sich beim "Women's World Congress" am Mittwoch Gedanken gemacht. Es hätte noch nie ein gutes  gehabt, so Alexandra Weiss von der Universität Innsbruck: "Denn es ist das Benennen von und die Kritik an Herrschafts- und Gewaltverhältnissen und das hat uns noch nie Rosen eingebracht", meinte  anlässlich des "Women's World Congress" am Mittwoch in Wien.

Familie erneut als Ort des Glücks

Die Bedingungen, die Feminismus nötig machten, seien noch lange nicht beseitigt - es habe aber qualitative Veränderungen in den vergangenen Jahren gegeben. Ausgangspunkt für einen "neuen" Feminismus sei u. a. die Diskussion um rückläufige Geburtenraten: "Verantwortlich gemacht werden dafür Frauen - kinderlose Männer sind keine mediale oder gesellschaftspolitische Figur, die wir kennen", so Weiss. Mit dieser Debatte würden seit langem erstmals wieder auch "die Errungenschaften der gut ausgebildeten Mittelschichtfrau" infrage gestellt, Familie wieder als Ort des Glücks proklamiert und somit Frauen als Produzentinnen dieses Glücks verantwortlich gemacht.

Alte Klischees hängen nach

Der neue Feminismus konzentriere sich einerseits auf die Vereinbarkeitsfrage von Beruf und Kinder, andererseits stünden die Karrierechancen von Frauen im Mittelpunkt. Die neue Form sei auch "individuell und nicht kollektiv": Forderungen würden sich nicht an z. B. den Staat, sondern an die Frau selbst richten. Im "alten" würden auch "antifeministische Klischees" bedient: "Warum ist es nötig zu betonen, dass man keine Männerhasserin ist? Schließlich begegnen Männern Frau oft genug mit Herablassung, Ignoranz oder physischer oder psychischer Gewalt", so Weiss. "Es mag nicht sexy sein, ein Opfer zu sein, aber es ist auch dumm so zu tun, als ob Frauen kein Opfer seien."

Die Ohmacht der Privilegierten

Erich Lehner von der Universität Klagenfurt berichtete aus der Männerforschung, dass Männer gesellschaftlich privilegiert und mächtig seien: "Allerdings ist dies nicht jeder einzelne Mann in gleicher Weise. Privilegiert sind Männer als Gruppe." Einzeln könnten sie durchaus marginalisiert sein.

Auch habe die Privilegierung ihren Preis: z. B. die geringere Präsenz von Männern in der Familien oder auch die Anfälligkeit der Gruppe von Männern für Gewalt und Kriminalität, so Lehner. "Allerdings sind die Kosten der Männer nicht gleichzusetzen mit der Benachteiligung von Frauen in einer männerdominierten Gesellschaft", betonte Lehner. "Während die Kosten der Männlichkeit der Preis der männlichen Privilegierung sind, ist die Benachteiligung der Frauen Folge einer systematischen Diskriminierung durch ein männerdominiertes System." So würden sich Männer als Angehörige des mächtigen Geschlechts subjektiv oft als "ohnmächtig" sehen.

Für beide Geschlechter vorteilhaft

Die Männerforschung habe belegen können, dass Geschlechtergerechtigkeit auch zum Vorteil der Männer sei und die "Kosten der Männlichkeit" senken könnte. Deshalb müssten auch Männer Adressaten für geschlechtergerechte Veränderungsprozesse sein: "Wünschenswert ist deshalb eine Männerpolitik, die im Rahmen einer Geschlechterpolitik Frauenpolitik ergänzt." (APA)

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    Der Feminismus muss im Universum der Männerechtler für alles herhalten, was sie ohnmächtig fühlen lässt.

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