"Niemand weiß etwas von Gesprächen"

9. März 2009, 13:04
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Für private Kindergärten ist die Zukunft ungewiss - Die Gemeinde Wien will auch dort Gratis-Betreuung, behandelt aber nicht alle Trägervereine gleich

"Selbstverständlich ist uns jedes Kind gleich viel wert." Große Worte von Bürgermeister Michael Häupl in einem Kurier-Interview im Zusammenhang mit den Gratiskindergärten. Wenn er sie tatsächlich verwirklichen will, dann würde das bedeuten, dass auch die Privatkindergärten in Wien künftig gratis werden sollen.

Bisher heißt es dazu von Seiten der Stadt Wien, dass es Gespräche mit den verschiedenen Trägern gebe. Renate Gschlad vom Dachverband der Wiener Privatkindergärten und -horte wurde aber bisher noch nicht kontaktiert: "Niemand weiß etwas von Gesprächen. Wir wissen nichts außer das, was in den Medien steht", sagt sie zu derStandard.at.

Eltern wollen Kinder abmelden

Dementsprechend beunruhigt seien auch schon manche Eltern. "Wir wissen nicht, was wir ihnen sagen sollen", sagt Gschlad im Gespräch mit derStandard.at. Es gebe schon einige Wortmeldungen von Eltern, dass sie ihre Kinder in einen öffentlichen Kindergarten geben werden, wenn dieser gratis sei. "Es ist schade, dass das auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen wird. Schließlich werden die Kinder dann aus dem sozialen Umfeld rausgerissen", sagt Gschlad.

Auf die Frage, warum mit dem Dachverband noch nicht verhandelt würde, meint der Pressesprecher von Vizebürgermeistern Laska: "Wir werden zuallerst mit den gemeinnützigen Privatkindergärten reden. Diese haben Priorität." Dass auch der Dachverband zu 98 Prozent aus gemeinnützigen Kindergärten besteht wird dabei übersehen. Mit den Kinderfreunden, "Kinder in Wien" (beide stehen den Großparteien nahe) und der Diözese Wien wurde das Gespräch bereits aufgenommen. Gschlad befürchtet, "dass die kleinen privaten Kindergärten links liegen gelassen werden."

Einzelverhandlungen mit unterschiedlicher Förderung

Sie wünscht sich eine "faire, gerechte und transparente Lösung", bezweifelt aber das dies von Bürgermeister Häupl und Vizebürgermeistern Grete Laska umgesetzt wird. "Wir haben in einem Brief darum gebeten, dass die zuständigen Politiker alle privaten Träger an einem Tisch versammeln", erzählt Gschlad. Bisher sieht es aber nicht danach aus. "Ich war bei einer Pressekonferenz in einem KIWI-Kindergarten und habe dort gefragt, ob man an einem Gespräch mit allen Trägern interessiert ist. Man ist mir ausgewichen, deshalb fürchte ich, dass die Träger Einzelverhandlungen haben und unterschiedliche Förderungen vergeben werden", so die Kindergartenpädagogin.

"Keine Nobel-Privatkindergärten"

Derzeit werden in den Kindergärten, die dem Dachverband angehören, rund 10.000 Kinder betreut. Ein Platz in privaten Kindergärten kostet durchschnittlich 340 Euro, in öffentlichen Kindergärten 226 Euro. Zumindest die 226 Euro der öffentlichen Kindergärten könnten auch für die privaten Kindergärten übernommen werden. Kinder, die in öffentlichen Kindergärten keinen Platz mehr finden, werden von der Stadt Wien an private Kindergärten weitergereicht und dort untergebracht. Deshalb sei auch die Vorstellung davon, dass in diesen Kindergärten nur Kinder der Oberschicht zu finden seien, überholt, sagt Renate Gschlad: "Es gibt in Wien keine Nobel-Privatkindergärten. Wir führen zum Beispiel einen Kindergarten im 20. Bezirk. Dort haben ungefähr 70 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund." Eine Benachteiligung der Privatkindergärten würde also zumindest teilweise zu einer Abwanderung führen. (Teresa Eder/derStandard.at, 9.3.2009)

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    Die Einführung der Gratiskindergärten führt zu einer Schieflage zwischen öffentlichen und privaten Anbietern.

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