Morbus Crohn: Wurmeier, Stammzellen, Bakterien

4. März 2009, 13:57
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Biologika und Immunsuppressiva gehören zur Standardtherapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen - An neuen Behandlungsformen wird derzeit geforscht

Zur Standardtherapie bei Morbus Crohn gehören Biologika. Es sind gentechnologisch hergestellte Designermedikamente, die körpereigene Antikörper imitieren und so in Entzündungen eingreifen können - durch Blockieren spezifischer Moleküle wie zum Beispiel Botenstoffen, die die Entzündung im Darm anheizen. Von den Biologika glaubt man in medizinischen Fachkreisen den Wirkmechanismus zu kennen, was bei den Immunsuppressiva, die auch zur Behandlung eingesetzt werden, nicht der Fall ist.

In neuen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Behandlung mit Biologika mindestens doppelt so erfolgreich ist. Das habe viele Kollegen überrascht, so Walter Reinisch von der Universitätsklinik für Innere Medizin in Wien. Denn obwohl es die Therapie mit Biologika schon einige Jahre gibt, gebe es jetzt erst Ergebnisse von Langzeitstudien mit den Patienten.

Neue Therapien

Viele der neuen Therapien, die zurzeit erforscht werden klingen spektakulär: Wurmeier, nicht-embryonale Stammzellen und Bakterien werden derzeit in ihrer Wirkung untersucht. Für den deutschen Mediziner Axel Dignass aus dem Markus-Krankenhaus in Frankfurt sind diese Therapien aber noch Zukunftsmusik. "Viel wichtiger ist der richtige Einsatz der vorhandenen Medikamente", so der Experte.

So gebe es ganz neue Studienergebnisse zu den bereits vorhandenen Medikamenten: Überraschend ist, "dass scheinbar die Compliance der Patienten bei der Medikamenteneinnahme nicht so gut ist." Die Patienten vergessen die Tabletten einzunehmen. "Die richtige Einnahme der Medikamente würde schon viel helfen", so Dignass. Für ihn ist die einmalige Einnahme einer höheren Dosis eine gute Lösung. Auch auf Seiten der verschreibenden Ärzte sieht er Verbesserungsbedarf: „Immunsuppressiva werden oft zu spät eingesetzt, erst dann wenn Kortison nicht mehr wirkt." Derzeit laufen laut Dignass rund 250 verschiedene Medikamentenstudien, in drei bis vier Jahren erwartet er erste Einsatzmöglichkeiten.

Die Hoffnung allzu schnell auf die Wurmeier zu setzten, sieht der deutsche Mediziner skeptisch. "Die Wurmeier der Peitschenwürmer müssen in völlig keimfreien Schweinen produziert werden", weist Dignass auf die schwierigen Herstellungsbedingungen hin. Auch falls der Durchbruch mit den Wurmeiern gelingen sollte, sieht er die Therapie nur als weitere Alternative, denn noch konnte laut dem Mediziner kein bahnbrechender Effekt nachgewiesen werden. "In kleineren Studien zeigten 15 bis 25 Prozent der Patienten Verbesserungen, im Vergleich dazu hilft Kortison bei 90 Prozent der Patienten", so Dignass. (mat, derStandard.at, 4.3.2009)

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