27.000 Postler "bringen allen was"

4. März 2009, 13:26
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Ex-Monopolist im Spannungsfeld zwischen Finanz- und Verkehrsministerium

Wien - Die Österreichische Post AG ist mit ihren über 27.000 Beschäftigten einer der letzten großen teilstaatlichen Konzerne des Landes. 51 Prozent befinden sich noch im Besitz des Staates, der den Ex-Monopolbetrieb durch das schwierige Fahrwasser der Marktliberalisierung führen muss. Weitere 9 Prozent werden von österreichischen Aktionären gehalten, den Rest halten internationale Investoren. Seit der Jahrtausendwende hat das Unternehmen rund 900 Postämter zugesperrt, heuer sollen knapp 300 weitere hinzu kommen.

Mit der sinkenden Zahl der Postämter ging auch eine Reduktion der Belegschaft einher, dazu kam die Konkurrenz durch private Anbieter im Paketbereich. So hat der deutsche Paketdienstleister Hermes der Post seit 2007 nach Eigenangaben bereits einen Marktanteil von rund 40 Prozent abgenommen. Ebenfalls zu spüren bekam die Post die Konkurrenz im Bereich Zeitungszustellung, etwa durch redmail.

Doch nicht nur die Konkurrenz kam zur Post, auch die Post expandierte. So wurde Ende 2006 die deutsche trans-o-flex erworben. Zuletzt wurde in Bosnien-Herzegowina die Logistikfirma 24VIP komplett übernommen. In der Slowakei, Kroatien, Ungarn und Serbien ist der Postfuchs schon mit eigenen Firmen präsent.

Geteilte Verantwortung

Ein unverschuldetes Problem der Post ist die aufgesplittete politische Verantwortung. Eigentümervertreter für den Staatsanteil ist Finanzminister Josef Pröll (VP). Für die flächendeckende Postversorgung ("Universaldienstverordnung") ist wiederum Verkehrsministerin Doris Bures (SP) zuständig. Die Folgen sind gegenseitige Schuldzuweisungen, wenn wieder mal ein Amt schließt. Obwohl der Bevölkerung laut einer heute präsentierten Umfrage großteils egal ist, von wem die persönliche Post kommt - Hauptsache sie kommt.

Wie auch bei ÖBB und Telekom Austria ist bei der Post die Zahl der beamteten und daher quasi unkündbaren Mitarbeiter ein Kostenfaktor, dessen Reduzierung den jeweiligen Konzernlenkern einiges zum Grübeln gab. Zuletzt belebte die Post ihre Jobcenter neu. Mittlerweile befinden sich gut 600 Postler im "Karriere- und Entwicklungs-Center" (KEC). Dort schlagen sie im Regelfall die Zeit tot.

2007 erzielte die Post AG einen Umsatz von 2,32 Mrd. Euro, ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Betriebsergebnis (Ebit) stieg um 32 Prozent auf 162,8 Mio. Euro. Für das Jahr 2008 prognostiziert der Konzern eine stabile bis leicht steigende Umsatzentwicklung von bis zu 3 Prozent, wegen der "Marktbeeinträchtigung im österreichischen Paketgeschäft" aber ein geringfügig unter 2007 liegendes operatives Ergebnis. In den Folgejahren solle das EBIT wieder "kontinuierlich ansteigen". (APA)

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