Prozess wegen Protests gegen brutale Abschiebung

4. März 2009, 13:25
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Philosophiedozent machte Flugzeugpassagiere auf Abschiebung eines Kongolesen aufmerksam - Bis zu fünf Jahre Haft möglich

Paris - Weil er gegen die nach seiner Meinung brutale Abschiebung eines Kongolesen protestiert hatte, muss sich ein Franzose seit Mittwoch vor Gericht verantworten. Das bestätigte das Gericht in Bobigny bei Paris. Der Philosophie-Dozent Pierre Lauret hatte in einem Flugzeug nach Brazzaville die übrigen Passagiere auf die Behandlung eines Kongolesen in Handschellen aufmerksam gemacht, der in Begleitung von Polizisten abgeschoben werden sollte.

Die Polizei nahm Lauret deswegen kurz vor dem Abflug fest. Zwei seiner Kollegen, die ebenfalls protestiert hatten, wurden nach ihrer Rückkehr aus Brazzaville von der Polizei empfangen. Der Angeklagte könnte mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Mehrere Prozesse

In den vergangenen Monaten mussten sich mehrfach Franzosen vor Gericht verantworten, die in Flugzeugen die Abschiebemethoden der Polizei kritisiert hatten. In den meisten Fällen sprach das Gericht die Beschuldigten jedoch frei.

Nach Angaben der Regierung ist die Zahl der Abschiebekandidaten im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr von 65.000 auf knapp 100.000 gestiegen. Zugleich ging die Zahl der tatsächlichen Rückführungen von 16.600 auf 13.700 zurück. Die Abschiebekandidaten werden häufig in Handschellen in Begleitung mehrerer Polizisten in die Maschine gebracht. (APA/dpa)

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