Frauenministerin für transparente Gehälter

4. März 2009, 13:12
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Generell will Heinisch-Hosek Arbeit neu bewertet wissen: Frauen sollten gemeinsam den Druck steigern, um etwas zu erreichen

Wien - Laut dem EU-Gleichstellungsbericht verdienen österreichische Frauen um 25,5 Prozent weniger als Männer. Österreich rangiert damit unter 27 EU-Ländern nur vor Estland. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat sich in diesem Zusammenhang für transparente Einstiegs- und Anfangsgehälter ausgesprochen. Die Entwicklung sei jedenfalls "absolut unzufriedenstellend", erklärte sie am Mittwoch im Ö1-"Mittagsjournal".

Heinisch-Hosek tritt dafür ein, generell Arbeit neu zu bewerten. Die Ungleichheiten bei den Gehältern erklärt sie damit, dass Frauen im Gegensatz zu Männern in jenen Berufen tätig sind, die schlechter entlohnt werden. Auch die Betreuung der Unter-Dreijährigen sei noch nicht zufriedenstellend gelöst, so die Ministerin. Sie würde sich wünschen, dass Frauen gemeinsam den Druck steigern, um etwas zu erreichen.

Je höher die Position, umso seltener von einer Frau besetzt

Die SPÖ-Europaabgeordnete Christa Prets ortet einen Nachholbedarf bei der Gleichstellung auch im europäischen Parlament selbst: "Auch hier gilt, je höher die Position, desto seltener ist sie von einer Frau besetzt." Dass auch im europäischen Parlament noch kein Gleichstand erreicht ist, zeige sich laut Prets etwa am Beispiel des Präsidiums, dem höchsten administrativen Leitungsorgan des Parlaments. Es setzt sich aus einem Präsidenten, 14 VizepräsidentInnen und sechs QuästorInnen zusammen - unter ihnen sind nur fünf Vizepräsidentinnen und zwei Quästorinnen. "Wie viele Frauen letztendlich im Parlament in Brüssel vertreten sind, hängt von der nationalen Listenerstellung ab. Frauen müssen einfach an wählbaren Stellen platziert werden", betonte die Abgeordnete.

FPÖ gegen Quote

Die FPÖ-Frauensprecherin Carmen Gartelgruber findet die Einkommensunterschiede beschämend, will die EU-Statistik aber nicht überbewerten. Die Umsetzung einer Frauenquote hält sie nicht für sinnvoll: "Vielmehr muss man verstärkt in den Ausbau qualitativ hochwertiger Teilzeitarbeitsplätze begünstigen und Frauen für finanziell attraktive Berufe begeistern."

GLB für Mindestlohn

Um der Differenz zwischen Männer- und Frauenverdiensten entgegenzuwirken, fordert die Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes von zehn Euro pro Stunde. Der von der Regierung angepeilte Mindestlohn von tausend Euro sei unzureichend, denn das würde nur 820 Euro netto im Monat oder 5,59 Euro brutto pro Stunde bedeuten. Österreich bleibe damit weit hinter EU-Ländern mit gesetzlichen Mindestlöhnen wie Luxemburg (9,08 Euro pro Stunde), Irland (8,30 Euro) oder Frankreich (8,27 Euro).

Wirtschaft in die Pflicht nehmen

SPÖ-Gleichbehandlungssprecherin Gisela Wurm will bereits begonnene Maßnahmen weiter vorantreiben und die Wirtschaft "in die Pflicht" nehmen. "Es sind auch die Bundesländer gefordert, den Ausbau der Krippenplätze rascher voranzutreiben und es sind Überlegungen anzustellen, wie die Wirtschaft stärker in die Pflicht genommen werden kann, Frauen gleich zu behandeln und zu bezahlen. Den Unternehmen muss klar sein, dass sie auf das Potenzial der Frauen nicht verzichten können", so Wurm. (APA)

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