Tausende Plätze an Unis unbesetzt

4. März 2009, 13:16
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Neues Vergabeverfahren soll Probleme lösen - Studierende haben sich bisher mehrfach beworben

Frankfurt/Berlin - Chaos bei der Studienplatz-Vergabe in Deutschland: Trotz der großen Zahl von Bewerbern werden zu Beginn des Sommersemesters an vielen Universitäten wohl wieder zahlreiche Plätze frei bleiben. SPD-Politiker und mehrere Bildungsexperten fordern deshalb ein
bundesweites Vergabeverfahren. Die meisten Hochschulen wollen sich dagegen ihr Auswahlrecht erhalten. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte am Dienstag einen Kompromiss an, die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sprach gar von einem Durchbruch.

Bildung ist in erster Linie Ländersache. Wenn es um die Zulassung zum Studium geht, entscheiden die Hochschulen sogar oft ganz allein. Viele Abiturienten bewerben sich an verschiedenen Hochschulen um einen Studienplatz, ein beträchtlicher Teil der Bewerber erhält dann auch mehrere Zusagen. Mit der Umstellung der Studiengänge auf Bachelor- und Master-Abschlüsse ist der Trend zu solchen Mehrfachbewerbungen und -zulassungen noch gewachsen.

Das Problem dabei: Jede Hochschule führt für jede Bewerbung ein vollständiges Verfahren durch. Wird die Zulassung nicht angenommen, folgen teils mehrere Nachrückverfahren, gegebenenfalls sogar noch ein Losverfahren. Das gesamte Procedere dauert Wochen bis Monate - mit der Folge, dass zu Semesterbeginn unter Umständen noch längst nicht alle Plätze vergeben sind, obwohl durchaus genügend Bewerber da sind.

Bis zu 30 Prozent der Plätze in Frankfurt nicht besetzt

Laut einer Umfrage des "Handelsblatts" unter deutschen Hochschulen ist diese Lücke in Frankfurt am Main besonders groß: Die Goethe-Universität konnte im Wintersemester 807 Plätze in zulassungsbeschränkten Fächern nicht besetzen - rund 19 Prozent ihrer Kapazität, in Fächern wie Wirtschaftspädagogik oder Biologie sogar mehr als 30 Prozent. Auch an der TU Dresden sind die Erstsemesterplätze dem Blatt zufolge lediglich zu 82 Prozent ausgelastet. Fast 500 Plätze blieben dort ungenutzt.

"Das ist Wasser auf unsere Mühlen", sagt Andreas Keller, Hochschulexperte der Bildungsgewerkschaft GEW, die ein Bundeszulassungsgesetz fordert. "Alle Hochschulen müssen an einem zentralen Zulassungsverfahren teilnehmen", fordert Keller in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.

Zuletzt sollte die alt ehrwürdige Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) die Koordinierung verbessern - mit wenig Erfolg. Die Hochschulrektoren warfen der ZVS vor, das von ihr selbst vorgelegte Verfahren nicht fristgerecht umgesetzt zu haben. Andere sehen die Ursachen für die anhaltenden Probleme aber darin, dass viele Hochschulen aus Profilstreben eine Mitwirkung am Serviceverfahren der ZVS ablehnten. "Appelle allein reichen nicht, denn immer wieder scheren einzelne Hochschulen aus und kochen ihr eigenes Süppchen", sagt Keller.

Serviceagentur soll ZVS ersetzen

Mit einheitlichen Bewerbungsfristen und der Veröffentlichung freier Studienplätze im Internet wollen nun Bund, Länder und Hochschulen das Zulassungschaos beenden. Bewerbungsschluss für das Wintersemester 2009/2010 soll der 15. Juli sein, Mitte August soll es die Zulassungsbescheide geben.

"Die Studienplätze, die danach noch frei sind, werden in den ersten Septembertagen über das Internet in einer 'Börse' bekanntgegeben", sagte Bildungsministerin Schavan am Dienstag nach
einem Treffen mit Hochschulrektoren aus den 16 Bundesländern sowie Vertretern der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Wer noch keinen Studienplatz erhalten habe, könne sich dann unmittelbar bei den jeweiligen Hochschulen um freie Plätze bewerben, sagte die Ministerin. Sowohl die Kultusministerkonferenz als auch die Hochschulrektorenkonferenz würden sich nachdrücklich dafür einsetzen, dass sich alle Hochschulen dieser Vorgehensweise anschlössen. (AP/Köhnlein)

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