"Der Herausforderung muss man sich stellen"

4. März 2009, 17:05
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Dietmar Constantini erhält Vertrag bis Jahresende - Heinz Peischl und Manfred Zsak geben die Assistenten

Wien - Frank Rijkaard, Johann Neeskens, Felipe Scolari, Michael Laudrup und Otto Rehhagel sind schon wieder nicht zum Zug gekommen. Auch Guus Hiddink fiel für das begehrte Amt des österreichischen Fußballteamchef aus, dem fleißigen Niederländer wäre ein dritter Job nicht zuzumuten gewesen. Chelsea und Russlands Nationalmannschaft sind Stress genug.

Das Nachfolgespiel ist diesmal ziemlich unspektakulär und vor allem kurz gewesen. Der ÖFB träumte nach der von Erfolgen befreiten Ära Karel Brückner nicht unbedingt von warmen Eislutschern. Präsident Leo Windtner wird am Donnerstag um 11.30 Uhr (live auf ORF1) im Wiener Hotel Intercontinental den neuen Mann präsentieren. Der 53-jährige Dietmar "Didi" Constantini ist der Auserwählte, der Tiroler erhielt einen Vertrag bis Jahresende. Die abschließende Partie in der WM-Qualifikation steigt am 14. Oktober in Paris gegen Frankreich.

Windtner, der seine selbst auferlegte Frist für die Suche von zehn Tagen deutlich unterschritten hat (um acht Tage), ließ das am Mittwoch kurz vor 16 Uhr bestätigen. "Mein Wunschkandidat." Assistenztrainer werden Manfred Zsak, Constantinis Wunschkandidat und Heinz Peischl. Andreas Herzog bleibt nach verabreichten Streicheleinheiten nun doch beim Fußballbund, er ist hauptverantwortlich für die U21-Auswahl, also der Erbe von Zsak. Zweites Glied wollte Herzog ja nie wieder sein. Abgearbeitet hat der Präsident so nebenbei die Akte Jan Kocian, die Trennung von Brückners zweitem Assistenten erfolgte in beiderseitigem Einvernehmen.

Constantini hatte bereits am Dienstag ein einstündiges Gespräch mit Windtner. Es fand in Linz und im Beisein von ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig statt. Am Tag darauf sagte Constantini dem Standard: "Sehr konstruktiv, gutes Klima, gute Basis. Sie werden sich bei mir melden." Der 53-jährige Tiroler musste zunächst den Konjunktiv strapazieren, voreilige Gratulationen und auch voreilige Mitleidskundgebungen lehnte er ab. "Ich bin schon oft genug Kandidat gewesen. Insofern will ich mich nicht konkret zum Zustand und zu den Problemen der Mannschaft äußern." Das darf er nun nachholen. Windtner hat sich um die Mittagszeit gemeldet und den Deal perfekt gemacht.

Über Prinzipielles hat Constantini natürlich geredet, er hatte ja eine Vorahnung. "Ich kenne keinen Trainer, den eine solche Aufgabe nicht interessieren würde. Klar ist das Team in einer schwierigen Situation, aber der Herausforderung muss man sich stellen." Ob ihm sein Image als Feuerwehrmann taugt? "Es ist okay, man könnte auch Leasingtrainer sagen." Als Stimmungsmacher sehe er sich nur bedingt. "Du sollst lachen und lustig sein, sofern du davor deine Arbeit ordentlich erledigt hast. Was du tust, soll Spaß machen."

Kein Pausenfüller

Den Job des Teamchefs betrachte er als längerfristiges Engagement und nicht als weiteren Pausenfüller in der Vita. "Ich hänge einer sehr natürlichen Philosophie an. Der Mensch muss alles geben." Für die Elite-Fußballer heißt das: "Fehlende Klasse kann man nicht unbedingt wettmachen. Aber die Öffentlichkeit muss spüren, dass man sich zerreißt. Tut das jeder Einzelne, kommt es zwangsläufig zu positiveren Resultaten."

Constantini ist praktisch das Gegenteil von Brückner, der österreichische Fußball findet also ab sofort nicht mehr auf einem DVD-Player in Olmütz unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. "Ich werde Kontakte knüpfen und pflegen, mit den Leuten reden, Spiele beobachten", sagt Constantini Das Wort "Respekt" habe er sich zum Leitmotiv gemacht. "Respektiere jeden, wie er ist. Was ich nicht akzeptiere, sind Egotrips." Ein Teamchef müsse andere und zusätzliche Kriterien als ein Vereinstrainer erfüllen. "Die Leute kommen nur für ein paar Tage zu dir. Immer wieder. Manche sind frustriert, manche schweben auf Wolke sieben. Das musst du unter einen Hut bringen. Die mentale Arbeit spielt eine große Rolle."

Nach sieben Monaten Brückner hat sich eine österreichische Lösung aufgedrängt. Constantini war bereits nach der EURO 2008 als Nachfolger von Josef Hickerberger sehr ernsthaft im Gespräch. Der damalige ÖFB-Präsident Friedrich Stickler wollte unbedingt einen Ausländer, der Deutsch spricht, haben. Windtner nahm nun einen waschechten Tiroler. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 5. März 2009)

 

Zur Person:
Dietmar Constantini (53) absolvierte 198 Bundesliga-Spiele, etwa für Wacker Innsbruck (Meister 1977 und Cupsieger 1978) und den LASK. Er erzielte dabei fünf Tore. Nach seiner aktiven Karriere coachte der Tiroler eine ganze Reihe von Klubs, darunter den FC Tirol, Austria Wien und FSV Mainz. Constantini war in den 1990er Jahren Assistent der Teamchefs Alfred Riedl, übernahm 1991 erstmals selbst die Rolle des Nationalcoachs und schlüpfte nach dem Tod Ernst Happels 1992 wieder - diesmal interimistisch - von der Assistenten- in die Chefrolle. Er leitet seit vielen Jahren Fußball-Camps für Kinder.

 

  • Dietmar Constantini stellt sich der Herausforderung Team.  Die Wahl war logisch. Der Tiroler will mehr als ein Feuerwehrmann sein. "Wer ordentlich arbeitet, darf lustig sein."
 

    Dietmar Constantini stellt sich der Herausforderung Team.  Die Wahl war logisch. Der Tiroler will mehr als ein Feuerwehrmann sein. "Wer ordentlich arbeitet, darf lustig sein."

     

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