Postchef Wais tritt krankheitsbedingt zurück

4. März 2009, 18:38
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Überraschender Abgang, Aktienkurs gibt zeitweilig stark nach

Nach zehn Jahren an der Spitze des Unternehmens kündigte Post-Vorstandschef Anton Wais am Mittwoch seinen Rücktritt "aus gesundheitlichen Gründen" an. Sein Arzt habe ihm dies geraten, damit er seine Lebenserwartung verlängere, erklärte Wais.

Dieser Schritt traf das Unternehmen, das erst am Tag davor die Schließung von 293 Postämtern angekündigt hatte, überraschend, ebenso die Börse: Die Post-Aktie stürzte gleich um sechs Prozent ab, erholte sich dann aberwieder und schloss 0,6 Prozent im Minus.

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Knalleffekt bei der Österreichischen Post. Einen Tag nachdem die Ankündigung der geplanten Schließung von knapp dreihundert unrentablen Postämtern für Aufruhr bei Postangestellten, Gewerkschaftern und in der Politik gesorgt hat, hat Post-Chef Anton Wais überraschend seinen Rücktritt per Ende März verkündet.

Nach zehn Jahren an der Post-Spitze und einem erfolgreichen Börsengang tritt der passionierte Kunstsammler und Ziehharmonikaspieler aus gesundheitlichen Gründen ab. Seine Nachfolge übernimmt vorerst Finanzchef Rudolf Jettmar. Der Gesundheitszustand von Wais habe sich seit Anfang des Jahres wieder verschlechtert, nur seine drei engsten Mitarbeiter wussten vom Rücktrittsplan - und seine Frau. Wais war bereits vor rund zwei Jahren monatelang von der Öffentlichkeit großteils unbemerkt krankheitsbedingt ausgefallen.

Dass sein Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen erfolgt, wird daher auch nicht bezweifelt. Er sei keiner "der das Handtuch wirft" , sagte Wais selbst. Allerdings sei er nicht mehr so kampfbereit, hatten Weggefährten festgestellt. Und die Post brauche in der heißen Phase vor der Liberalisierung des Marktes 2011 einen topfitten Chef an der Spitze.

"Gute Arbeit geleistet"

Denn während Analysten mit der Performance des seit 2006 börsennotierten Unternehmens durchaus zufrieden sind, gibt es intern und an politischer Front mehr als genug Sprengstoff. Nicht zuletzt wegen der geplanten Schließung von weiteren 293 Postämtern. Unter Wais waren bereits rund 900 Postämter geschlossen und 600 unkündbare Beamte in ein umstrittenes "Karriereentwicklungszentrum" ausgelagert worden. "Wais hat in den letzten zehn Jahren gute Arbeit geleistet, die Post steht im internationalen Vergleich gut da. Was Qualität und Ausstattung betrifft, ist die Post ein moderner Betrieb" , meinte Erste-Bank-Analyst Christoph Schultes.

Er vertraue darauf, dass sein Weg fortgesetzt und das am Dienstag präsentierte Universaldienstkonzept umgesetzt werde, meint daher auch Wais. 450 Postpartner sollen die zur Schließung anstehenden Ämter ersetzen. Die Suche nach Trafikanten, Tankstellenpächtern, Apothekern und Reisebüros, die Postdienste anbieten wollen, läuft.

Schultes beurteilt das Konzept positiv: "Ich glaube nicht, dass sich für die Bevölkerung viel ändern wird." Diese scheint die Ankündigung tatsächlich auch gelassen zu nehmen, zeigt das Ergebnis einer Umfrage (siehe Grafik). Die Partner-Shops sollen das komplette Service einer Postfiliale bieten, inklusive Geldgeschäfte.

Die Ankündigung, dass die von den Schließungen betroffenen 360 Postler in nahegelegenen Filialen untergebracht werden sollen, konnte die Belegschaftsvertretung allerdings nicht besänftigen. Von der Postgewerkschaft kamen Streikdrohungen. Heftige Kritik gab es vonseiten der Opposition, aber auch von SPÖ und ÖVP.

Keine Reaktion der Regierungsspitze gab es hingegen auf die Rücktrittsankündigung von Wais. Weder die für die Universaldienstordnung zuständige Verkehrsministerin Doris Bures noch der Post-Eigentümervertreter, Finanzminister Josef Pröll, äußerten sich dazu. Die Reaktion der Börse war nach einem sechsprozentigen Kursrutsch zu Beginn schlussendlich verhalten: Der Kurs der Postaktie sank bis zum Börsenschluss lediglich um 0,60 Prozent auf 24,97 Euro.

"So negativ wie die Börse sehe ich das nicht" , meinte Bank-Austria-Analyst Harald Weghofer. Die Post habe ein gutes Vorstandsteam, brauche aber vor der Liberalisierung ein neues Postgesetz. Da sei die Politik gefordert. (kol, ung, gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.03.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Post von Wais wurde von der Belegschaft meist nicht mit Freude geöffnet.

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