Christian Scheider vor Kür zum Stadtchef

4. März 2009, 08:34
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"Singender Stadtrat" seit acht Jahren in Klagenfurter Stadtregierung - Deutlicher Vorsprung beim ersten Durchgang zur Bürgermeisterwahl

 

Klagenfurt - Der "singende Stadtrat" Christian Scheider vom BZÖ steht vor der Krönung seiner politischen Karriere. Nach seinem deutlichen Sieg im ersten Durchgang der Wahl zum Klagenfurter Bürgermeister werden ihm exzellente Chancen zugebilligt, am 15. März die Stichwahl gegen seine SPÖ-Konkurrentin Maria-Luise Mathiaschitz zu gewinnen. Der 45-Jährige würde damit Harald Scheucher (V) beerben, der am Sonntag nach zwölf Jahren aus dem Amt gewählt wurde.

Tennis mit Haider

Christian Scheider wurde am 21. Februar 1964 in Klagenfurt geboren. Nach der Schulzeit absolvierte er die Heeressport- und Nahkampfschule in Wien. Er spielte Tennis auf Leistungsniveau und wurde sogar einmal österreichischer Jugendmeister (1978/Klasse C). Das Tennis brachte ihn auch mit Jörg Haider in Kontakt, dem er Unterricht gab. 1989 holte ihn Haider in die Landesregierung, zwei Jahre später wurde er zum persönlichen Sekretär Haiders, der den FPÖ-Chef zu allen Veranstaltungen begleitete. Privat traf man sich am Tennisplatz und zu Bergtouren.

Karriere bei Kärntner FPÖ

1994 stieg Scheider zum Landesparteisekretär der Kärntner FPÖ auf, zwei Jahre später wurde er geschäftsführender Stadtparteiobmann in Klagenfurt. 1997 übernahm er die Obmannschaft von Karl-Heinz Grasser, zog in den Klagenfurter Gemeinderat ein und wurde Klubobmann. Bei der Landtagswahl 1999 kandidierte er auch für das Landesparlament, zwei Jahre lang war er als Abgeordneter tätig. Im Mai 2001 legte er sein Mandat zurück, weil er in den Klagenfurter Stadtsenat einzog.

Bei der Gemeinderatswahl vor sechs Jahren lief es für die FPÖ nicht so gut, man verlor einen Stadtratssitz und war im Gemeinderat nur noch drittstärkste Fraktion. Mario Canori wurde Vizebürgermeister, Scheider blieb Stadtrat. Im Herbst 2005 - wenige Monate nach der Gründung des BZÖ - platzte die Koalition mit der ÖVP, kurz darauf wurde Canori innerparteilich abmontiert, ihm folgte Albert Gunzer als Stadtrat.

Gute Chancen bei Stichwahl

Scheider überstand all diese internen Grabenkämpfe relativ unbeschadet und trat am Sonntag als Bürgermeisterkandidat gegen Scheucher und Mathiaschitz an. Er erreichte 40,7 Prozent und ließ damit Mathiaschitz (24) und Scheucher (22,1) weit hinter sich. Im Gemeinderat legte das BZÖ um 18,7 Prozentpunkte zu, verdoppelte damit den Mandatsstand von neun auf 18 und die Zahl der Sitze im Stadtsenat von zwei auf vier. Am 15. März will Scheider in der Stichwahl zuschlagen und erstmals den Bürgermeister der Landeshauptstadt für das Dritte Lager gewinnen.

Scheider, der umgänglich und bei den Menschen beliebt ist, ist geschieden und Vater einer Tochter. Als seine Hobbys bezeichnet er Sport und Lesen. Mit den Fremdsprachen hat er es nicht so, er spricht "leidlich Englisch". Er hat kürzlich auch eine CD als Sänger aufgenommen, bei zahlreichen Wahlveranstaltungen griff er zum Mikrofon und schmetterte "O du mein Klagenfurt" in die Menge. Wird er Bürgermeister, will er als erstes einen Kassasturz machen. Besonders am Herzen liegt ihm die Sozialpolitik - er führt auch seit langem das Sozialressort der Stadt. (APA)

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    Foto: APA

    Die Klagenfurter Bürgermeister-Kandidaten Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) Christian Scheider (BZÖ)

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