"Eventmanagement ist Knochenarbeit"

4. März 2009, 17:02
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Hannah Neunteufel über Codeworte, Begräbnisse und Einladungen als Schlüssel zum Erfolg

"Schauts euch das an", ruft Eventmanagerin Hannnah Neunteufel stolz beim Betreten der Location Casino Baumgarten im 14. Wiener Bezirk. Gemeinsam mit einem Kollegen aus ihrer Eventagentur "Hannah's Plan" und einem Techniker inspiziert sie die Räume für einen Event in drei Wochen, der Jubiläumsfeier zu "10 Jahre Chez Hermes" von FM4. "Das wird eine seltsame Mischung", so die Eventmanagerin, "Gala, Konzert und DJ-Floor in Einem."

Doch auch diese "seltsame Mischung" kann Hannah Neunteufel nicht aus der Ruhe bringen. Gemeinsam mit drei Mitarbeitern betreibt sie seit neun Jahren die Event- und Cateringagentur "Hannah's Plan" und betreut Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen, wie die Messe Blickfang, die Akademie der bildenden Künste, Diesel Austria oder OMV Solutions.

"So etwas ist Routine. Wahnsinnig viel Routine", sagt sie über das anstehende FM4-Fest. Und trotzdem sei jeder Event anders: "Wenn ich etwas zweimal mache, wird es fad." Ihren Kunden bietet Hannah, wie eben auch beim "10 Jahre Chez Hermes-Fest", das komplette Programm an: die Auswahl der Location, Einladungen, Pressetexte, Musikprogramm, Catering und und und.

Mittlerweile ist auch jener eingetroffen, um den sich die Veranstaltung schließlich drehen wird, Hermes. Er betritt gleich die Bühne und sieht sich die Location erst einmal von dort oben aus an. Hannah Neunteufel hat sofort einige Fragen: Wie viel Platz wird er für sein Programm brauchen? Sollen wir nicht doch die Bühne vergrößern? Reicht die Leinwand mit sechs mal vier Metern? Denn Hannah Neunteufel ist jene, die auf jedes Detail achtet und den Abend bereits gedanklich durchspielt.

"Mega-Hacke" statt großer Party

Die Arbeit mit ihrem Team ist mittlerweile eine eingespielte Sache: "Wir arbeiten schon so lang miteinander, dass wir fast nicht mehr zu reden brauchen. Wir verwenden teilweise nur mehr Codeworte."

Das was sich viele Menschen jedoch unter dem Beruf der Eventmanagerin vorstellen, sei sehr weit von der Realität entfernt, so Neunteufel: "Viele glauben, das ist einfach eine große Party. Dass es jedoch eine Mega-Hacke ist, können sich viele nicht vorstellen." Deshalb würden auch einige den Job schnell wieder hinschmeißen: "Man glaubt es ist Halligalli. Es ist aber alles andere, nämlich Knochenarbeit. Und wenn man das mag, dann ist man im Eventmanagement richtig."

Ihr Team und sie seien die ersten am Veranstaltungsort und die letzten, die gehen. Daher fange sie erst gar nicht an, ihre Arbeitsstunden zu zählen: "In diese Branche darf man nicht gehen, wenn man auf die Uhr schaut. Das kann man gar nicht eins zu eins bezahlen. Da geht es um was anderes, um Leidenschaft."

Einladung als Schlüssel zum Erfolg

Begonnen hat Hannah Neunteufel in der Gastronomie. Zuerst als Kellnerin, später als Geschäftsführerin verschiedener Wiener Lokale hat sie Erfahrung im Aufbau von Lokalen und Organisieren von Veranstaltungen gesammelt. Durch Catering ist sie schließlich im Jahr 2000 zum Eventmanagement gekommen:"„Damals hat es Eventmanagement in Wien in diesem Sinn noch gar nicht gegeben. Mir war aber klar, dass es einen großen Bedarf dafür gibt."

Denn Details, wie die Wahl der Location, die Zusammenstellung des Programms oder das Design der Einladungen, würden subtil sehr viele Informationen transportieren. Die Einladung entscheide beispielsweise darüber, ob Leute interessiert sind und zu einem Event kommen oder nicht. "Das ist der Schlüssel zum Erfolg", so die Eventmanagerin.

Später habe sie auch einige Eventmanagement-Lehrgänge absolviert, wirklich lernen würde man jedoch nur aus Fehlern: "Denn das, was kein Fehler ist, scheint uns selbstverständlich."

Im Moment besteht die Agentur "Hannah's Plan" aus vier fixen Mitarbeitern. Pro Woche bekomme Hannah Neunteufel aber an die zehn bis 15 Bewerbungen, darunter auch viele FH-Absolventen. Die stehen auf ihrer Liste aber nicht an oberster Stelle: "Bei einer FH-Ausbildung kannst du vielleicht Standards lernen, aber an der Front lernst du es besser."

Produzenten statt Konsumenten

Belastbarkeit ist eines jener Dinge, die eine Eventmanagerin oder ein Eventmanager auf jeden Fall mitbringen muss. "Ich liebe es, bei großen Veranstaltungen neue Leute gleich mal ins kalte Wasser zu stoßen, denn nur durch eine Herausforderung siehst du, ob Menschen belastbar sind oder nicht", so Neunteufel.

Kaffeetrinken und inzwischen andere arbeiten lassen ist grundsätzlich nicht Hannahs Ding. "Bei uns packt jeder an und jeder macht alles. Ich möchte nicht in einer Location stehen und warten bis alles aufgebaut ist", so die Eventmanagerin. "Wir sind alle von unserer Persönlichkeit her Produzenten und keine Konsumenten."

Auch ein Gefühl für Trends sei eine wichtige Eigenschaft für einen Eventmanager. Lernen könne man diese Eigenart jedoch nicht: "Du brauchst Geschmack und Menschenkenntnis. Ich erstelle zum Beispiel kaum ein Angebot, wenn ich mir den Menschen und sein Umfeld nicht genau angeschaut habe. Ich muss den Menschen sehen, um zu wissen, was zu ihm passt."

Besonders das Ausdenken einer Geschichte, also die Konzeption, reizt Hannah Neunteufel am Eventmanagement: "Das Schöne ist, wenn ich den Kunden mit meinen Ideen abhole."

Und diese Ideen konnte Hannah Neunteufel mit ihrem Team schon bei vielen besonderen Events umsetzen. Jedoch gibt es immer noch einen Event, dessen Umsetzung Hannah Neunteufel reizen würde: ein Begräbnis. "Das ist insofern ein arges Thema, weil ein Begräbnis nicht mehr Teil unserer Welt ist. Es ist kaum individualisiert, obwohl ich glaube, dass es eben genau bei so einem archetypischen Ritual für die, die dableiben, wichtig ist, sich zu verabschieden. Es ist natürlich eine pikante Sache - schwierig, aber nicht uninteressant." (Maria Fanta, derStandard.at, 4. März 2009)

  • „Wenn ich etwas zweimal mache, wird es fad."
    hannah's plan

    „Wenn ich etwas zweimal mache, wird es fad."

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