Deckelung kostet 70 Millionen Euro

4. März 2009, 08:12
19 Postings

Apothekertagung: Krankenkassen werden zusätzlich belastet - "Selbstbehalt" bei Arzneimitteln betrug 2008 fast 14 Prozent

Saalfelden - Schlechte Nachricht für die sozialen Krankenkassen: Die im Jahr 2008 wirksam gewordene Deckelung der Rezeptgebühr mit einer Summenbegrenzung von zwei Prozent des Nettoeinkommens des Versicherten kostet sie rund 70 Mio. Euro, wahrscheinlich sogar mehr. Das schätzen die Wirtschaftsfachleute der Österreichischen Apothekerkammer aufgrund der vorliegenden Zahlen über die Kassenumsätze in den 1.233 öffentlichen Apotheken. Von politischer Seite war bisher von höchstens 60 Mio. Euro an Kosten gesprochen worden.

12,9 Prozent für Medikamente

Die Daten wurden bei der 42. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden präsentiert. Kammer-Vizepräsident Leopold Schmudermaier über die Kosten von Arzneimitteln für die Krankenkassen: "Von den Kassenausgaben entfielen 21,4 Prozent auf die Arzneimittel inklusive Mehrwertsteuer und Rezeptgebühr. Zieht man die Mehrwertsteuer ab und saldiert man die Rezeptgebühr (als Einnahme für die Kassen, Anm.), sind es nur noch 12,9 Prozent, die für Medikamente ausgegeben werden."

Der Kostenanteil für die Leistung der rund 5.000 Apotheker beträgt für die Kassen nur rund drei Prozent ihrer Ausgaben. Schudermaier: "Da sind Information, Beratung, Distribution und andere Dienstleistungen enthalten. Da stellt sich die Frage, ob das jemand mit dieser Qualität billiger machen könnte."

Hohe Belastung für Kassen

Insgesamt haben die öffentlichen Apotheken im vergangenen Jahr 50,8 Mio. Kassenrezepte (2007: 49 Mio.) entgegengenommen. Das entsprach einem Kassenumsatz von 2,154 Mrd. Euro (2007: 1,997 Mrd. Euro). Die Krankenkassen bekamen 393 Mio. Euro an Rezeptgebühren. Schmudermaier: "Das entsprach einem Selbstbehalt von 13,9 Prozent.

Doch gerade hier dürften die Krankenkassen mit der Rezeptgebühr-Deckelung bzw. der zunehmenden Befreiung von Patienten im Laufe des Jahres, wenn die zwei Prozent des Brutto-Einkommens überschritten werden, mit hohen Belastungen durch die Politik belegt worden sein. Lag beispielsweise der Anteil der Rezeptgebührbefreiungen im Jänner 2008 noch bei 19,73 vom Wert der Kassenrezepte und bei 23,20 Prozent bei der Anzahl der Packungen, stiegen beide Werte bis Dezember 2008 auf an die 45 Prozent.

"Sicher 70 Millionen"

Der Vizepräsident der Apothekerkammer: "Diese Rezeptgebührbefreiung kostet die Krankenkassen sicher 70 Mio. Euro. Das ist eine Sozialleistung, die auch aus dem Sozialbudget bezahlt werden sollte." Es würden wahrscheinlich noch deutlich mehr werden, lauten die Prognosen der Standesvertretung. Der Grund dafür: Viele Patienten dürften sich zur Erreichung der Gebührenbefreiung mit Hilfe ihrer Ärzte noch knapp vor Ende 2008 mit Rezepten eingedeckt haben und einen Teil erst im Jänner 2009 eingelöst haben - und das wird nachverrechnet. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Foto: AP Photo, Jan Bauer

    Apothekerkammer: "Rezeptgebührbefreiung kostet Krankenkassen 70 Millionen"

Share if you care.