Alte Finanz-Hasen sollen Ruder rumreißen

4. März 2009, 17:05
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Ex-Finanzminister Villiger übernimmt Verwaltungsrat

Zürich - Knapp eine Woche nach dem Chefwechsel will die Schweizer Großbank UBS auch die Spitze des Verwaltungsrates neu besetzen. In beiden Fällen handelt es sich um Veteranen der Schweizer Finanzszene: Der ehemalige Schweizer Finanzminister Kaspar Villiger soll anstelle von Peter Kurer zum neuen Präsidenten der größten Schweizer Bank gewählt werden, wurde am Mittwoch bekannt.

Zusammen mit dem neuen Konzernchef Oswald Grübel, dem bereits seit 2007 in Pension befindlichen ehemaligen Chef der Credit Suisse, soll er bei UBS das Ruder herumreißen. Wie berichtet, ist die Schweizer Großbank mit einem Steuerverfahren in den USA konfrontiert und leidet seit an Image- ebenso wie Ertragsproblemen.

Nach dem Abtritt des Konzernchefs Marcel Rohner geht Kurer als letzter Repräsentant der Führungsmannschaft des früheren UBS-Präsidenten Marcel Ospel. Dessen aggressive Expansionsstrategie in den USA hatte der Bank Milliardenverluste und Ermittlungen der US-Justiz wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung für reiche Amerikaner eingetragen.

So werden sich der 65 Jahre alte Banker Grübel und der 68 Jahre alte Ex-Politiker Villiger die Aufgaben teilen können. Grübel soll die Bank wieder profitabel machen, während Villiger sich neben der Strategie und der Wiederherstellung des Kundenvertrauens um die Steuerprobleme und die Frage des Bankgeheimnisses kümmern kann.

"Nachdem ich mit Grübel gesprochen hatte, habe ich zugesagt" , erklärte Villiger. "Mit ihm ist es zu schaffen" . Nun wird Villiger nach seiner Wahl das Vollzeit-Präsidium für einen Jahreslohn von 850.000 Franken (rund 570.000 Euro) in bar übernehmen. Sein Vor-Vorgänger Ospel hatte einen zweistelligen Millionenbetrag bezogen. Er habe sich an den Gehältern bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) orientiert, sagte Villiger.

Die Steuerprobleme in den USA werden auch Villiger genug zu tun geben. Die Amerikaner haben bereits die Herausgabe von Kundendaten erzwungen.

Villiger hat Erfahrung mit Kritik aus dem Ausland. In seine Amtszeit fiel der Streit mit den USA über sogenannte Holocaust-Gelder. Der Vorwurf lautete, die Banken hätten nach dem Zweiten Weltkrieg die Konten von jüdischen Nazi-Opfern nicht ordentlich offengelegt. Die Schweizer Großbanken zahlten damals fast zwei Milliarden Dollar in einen Fonds. (Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.03.2009)

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    Der ehemalige Schweizer Finanzminister Kaspar Villiger hat Erfahrung mit Offenlegung und Bankgeheimnis. In seine Amtszeit fällt das Gesetz zur Geldwäscheprävention.

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