MadWorld: Die Farbe Blut

4. März 2009, 14:56
46 Postings

Das brutalste Spiel des Jahres erscheint auf der Familienkonsole Wii - Eine Kontroverse nach Plan

Denkt man an Nintendos Wii, springen einem spontan Tennis spielende Pensionisten oder ein knuddelliger Installateur, der eine rosa Prinzessin vor einer Monsterschildkröte retten muss, ins Gedächtnis. Ausgerechnet für die überaus familientaugliche Konsole erscheint am 20. März des Jahres das wohl unfreundlichste Videospiel der Gegenwart.

"Running Man"

MadWorld, wie es die Erschaffer von PlatinumGames tauften, orientiert sich ohne große Umschweife am Arnold Schwarzenegger-Streifen "Running Man" und am realistischeren Counterpart "Manhunt". Der Spieler schlüpft in die Rolle Jacks, der an einer Gameshow teilnimmt, in der es einzig und allein darum geht, andere Teilnehmer auf möglichst brachiale Art und Weise über den Jordan zu schicken. Ein wenig Gesellschaftskritik wird in Form der übermächtigen Medien eingestreut, die es sich in einer unbestimmten Zukunft erlauben können, die Zuschauerquoten mit Menschenleben in die Höhe zu treiben.

Schwarzweiß und blutrot

Umso härter die Tötungsmethode, desto mehr Punkte erhält man - das ideale Konzept, um in Deutschland auf dem Index der USK zu landen. Um Österreichern und dem Rest der Welt ab 18 Jahren den Kern dieses Anschauungsunterrichts für Fleischhauer und Pathologen zu verdeutlichen, haben sich die Kreativen eines Tricks bedient: Die Welt des Grauens ist in Schwarzweiß gehalten, lediglich das Blut spritzt rot. Optisch ungewöhnlich und deshalb umso passender.

Ungustiöse Overkills

Mit einem Kettensägenarm wühlt man sich durch Gegnerscharen und nutzt Stoppschilder, Mülltonnen und allerlei andere nützliche Gegenstände auf den farblosen Straßen einer farblosen Metropole, zur Kreierung immer neuer Schüttbilder. Eine Highscore-Jagd der alten Schule, die in zunehmend absurderen Zwischenspielchen und Boss-Kämpfen mündet: Ungustiöse Overkills, bei denen Gegner mit einem bedornten Baseballschläger an eine überdimensionale Dartscheibe katapultiert oder unter Zeitdruck Konkurrenten in eine Menschenpresse geworfen werden müssen.

Mehrspieler-Draufgabe: Im Blutbad der Mini-Games darf im Anschluss wahlweise auch in trauter Zweisamkeit gebadet werden.

Todsicherer Running-Gag

Dass alles mit einer deftigen Portion Humor herunterzuwürgen ist, beweist der smarte Kollege und Showmaster, der vor jeder dieser Herausforderungen das Spielziel erklärt und zur Demonstration jedes Mal aufs Neue von einer charmanten Dame ins Himmelreich versetzt wird. Die Comic-hafte Aufmachung ist allgegenwärtig. Die Kraftausdrücke platzen in Sprechenblasen ins Bild, den Animatoren dürften Stilvorgaben aus dem Hause Marvel oder Miller vorgelegt worden sein.

Ein Schuss Abwechslung

Motorradfahrten, Wirbelwinde und Rollerblade-Cowboys mischen spielerische Abwechslung in die inszenierte Gewaltmonotonie. Ob die Variation der Aufgaben für ein "buntes" Spielerlebnis reicht, sei dahingestellt. Frustmomente dürften mit dem Arcade-orientierten Leveldesign indes vorprogrammiert sein. Wer zu oft stirbt, wird zurück an den Anfang des Kapitels gesetzt.

Zu laut, um gehört zu werden?

MadWorld will der Elefant im Porzellanladen, der Tomatenfleck auf der weißen Weste, das Chaos im Legoland, der Amokläuferschlumpf von ganz links hinten - schlicht die pure Kontroverse sein. Zum Urknall langt es mit einer ausgeborgten Story wahrscheinlich nicht, wer ein Videospiel-Unikat mit schwarzem Humor uncut sucht, wird hier aber ganz bestimmt fündig. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 4.3.2009)

Links

MadWorld

  • MadWorld (PlatinumGames/Sega Europe) erscheint am 20. März für Nintendo Wii.
    bild: sega europe

    MadWorld (PlatinumGames/Sega Europe) erscheint am 20. März für Nintendo Wii.

  • Artikelbild
    bild: sega europe
  • Artikelbild
    bild: sega europe
  • Artikelbild
    bild: sega europe
  • Artikelbild
    bild: sega europe
  • Artikelbild
    bild: sega europe
  • Dartschießen zu zweit...
    bild: sega europe

    Dartschießen zu zweit...

Share if you care.