Österreicher misstrauen den EU-Institutionen

3. März 2009, 19:07
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Fast nirgendwo ist das Vertrauen in die EU und ihre Institutionen so gering wie in Österreich - Vor allem die EU-Parlamentarier kommen sehr schlecht weg

Gerade einmal elf Prozent der Österreicher haben Vertrauen in die heimischen EU-Parlamentarier. Damit liegt Österreich in einer repräsentativen Eurobarometer-Umfrage, die im Oktober und November 2008 durchgeführt wurde, mit deutlichem Abstand am letzten Platz. Noch vor einem halben Jahr vertrauten 43 Prozent der Österreicher dem EU-Parlament.

Vorletzte wurden in der aktuellen Umfrage die Spanier mit 13 Prozent, dann folgen Italien und Portugal mit jeweils 20 Prozent. Das meiste Vertrauen in ihre EU-Abgeordneten haben die Finnen und die Tschechen mit 49 Prozent. Im EU-Schnitt sind es 26 Prozent.

Noch schlechter als der Schnitt kommt in Österreich der "persönliche" Abgeordnete des entsprechenden Wahlkreises weg: Nur neun Prozent vertrauen ihm. Bei nationalen politischen Vertretern sind es immerhin 39 Prozent.

Beim Vertrauen in die EU insgesamt liegt Österreich mit 42 Prozent am drittletzten Platz. Schlusslicht sind die Briten mit 25 Prozent, gefolgt von den Italienern mit 41 Prozent. Das meiste Vertrauen in die EU haben die die Slowaken mit 70 Prozent vor den Esten und den Niederländern mit 67 und 64 Prozent. Im EU-Schnitt sind es 47 Prozent. Deutlich höher und deutlich über dem EU-Schnitt ist das Vertrauen der Österreicher in ihre nationalen Institutionen. So vertrauen 50 Prozent der Bundesregierung, im EU-Schnitt vertrauen nur 34 Prozent der Bürger ihrer nationalen Regierung. Für Österreichs Regierung bedeutet dies einen ordentlichen Vertrauensschub. Noch vor einem halben Jahr waren es nur knapp über 40 Prozent, die ihr vertrauten.

Zwei Drittel der Österreicher vertrauen regionalen oder lokalen Behörden. Der EU-Schnitt liegt bei 50 Prozent.

Auf die Frage, welche Ebenen öffentlicher Behörden den größten Einfluss auf die Lebensbedingungen hätten, nannten nur zehn Prozent der befragten Österreicher die europäische Ebene. Jeweils 42 Prozent nannten die nationale und regionale Ebene.

62 Prozent der Österreicher und 59 Prozent aller EU-Bürger meinen überdies, die lokalen Behörden seien nicht genügend in die Entscheidungen auf EU-Ebene einbezogen.
Gut informiert

Jedenfalls geben sich die Österreicher trotz ihrer Skepsis über die Europäische Union teils sehr informiert über EU-Institutionen. So sagen 38 Prozent, dass sie wissen, was der Ausschuss der Regionen ist. Das ist der erste Platz in diesem Bereich, gefolgt von Luxemburg und Slowakei (je 36 Prozent). Schlusslicht sind hier die Franzosen mit nur 13 Prozent.

Was die Kenntnisse über die EU betrifft, wünschen sich nur 13 Prozent "sicher" mehr Infos und 48 Prozent der Österreicher fordern mehr Informationen "bis zu einem gewissen Grad", während 29 Prozent mit "nicht wirklich" ablehnen und acht Prozent "sicher nicht" antworteten. (Michael Moravec aus Brüssel, DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2009)

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