Unikat unter Spezialisten: "Das Zeitalter Rembrandts"

3. März 2009, 18:50
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Die Albertina zeigt eine Zusammenschau von Werken des "Goldenen Jahrhunderts" der Niederlande - Rembrandt van Rijn wird als Zugpferd vor den vollbeladenen Ausstellungskarren gespannt

Wien - Der Ausstellungstitel Das Zeitalter Rembrandts bietet gegenüber den Titeln Das Zeitalter Goltzius', Das Zeitalter Ruysdaels oder Das Zeitalter van Ostades den unbezahlbaren Vorteil, dass alle Leute in die Albertina kommen, die von Rembrandt gehört haben. Und das sind doch viel mehr als jene potenziellen Besucher, die Goltzius oder Ruysdael kennen.

Und doch sehen alle dieselbe Ausstellung. Die Hauptzielgruppe mag nörgelnd feststellen, dass in der Basteihalle der Albertina mehr Zeitalter als Rembrandt zu bewundern ist. Und man kann ihr den spontanen Missmut kaum verübeln, ist doch Rembrandt im Titel in leuchtendem Rot ausgewiesen, das Zeitalter hingegen in vornehm zurückhaltendem, leicht orangem Beige.

Die Gemütsregung ins Beschwerdefach sollte dann aber rasch dem Eintreten sinnlichen Genusses weichen. Zumindest dann, wenn dankbar zur Kenntnis genommen wird, was nicht als Rembrandt Harmenszoon van Rijn ausgewiesen wird und doch die Marke "Goldenes Zeitalter" verdient. Das niederländische 17.Jahrhundert - Rembrandt hat es von 1606 bis 1669 bespielt - ist reich an Werken herausragender Qualität. Auch wenn diese, von heute aus gesehen, weniger klingende oder gar unbekannte Namen tragen.

Das Zeitalter Rembrandts zeigt 150 Werke von rund 70 Künstlern aus dem Albertina-Bestand des niederländischen 17. Jahrhunderts, darunter Hendrick Goltzius, Rembrandt van Rijn, Aert van der Neer, Aelbert Cuyp, Adriaen van Ostade. Diese Auswahl wird durch 40 Ölbilder aus verschiedenen Sammlungen und Museen ergänzt. Das thematische Spektrum der Ausstellung erstreckt sich von der Landschaft, der Topografie, der Marineszene und der italianisierenden Ansicht bis zum Porträt, zur Genreszene und zum Stillleben - mit Rembrandt als Zugpferd.

Ruhm und Kredit

Was auch an dessen glamouröser Biografie liegen mag: Schon in den späten 1630er-Jahren der unangefochtene Star der Amsterdamer Szene, führte er nicht nur einen hoch aufwändigen Haushalt (im heutigen Museum Het Rembrandthuis), betrieb einen schwunghaften Kunsthandel, sammelte Exotika und wissenschaftliche Objekte, verklagte die Verwandtschaft seiner Frau Saskia, weil sie ihm Verschwendung vorwarf - und lebte, nachdem er ihren Erbteil durchgebracht hatte, auf Kredit. Der Ehefrau Saskia folgte nach deren Tod die wesentlich jüngere Hendrickje, was den Amsterdamer Kirchenrat zu einer Rüge wegen unzüchtigen Zusammenlebens veranlasste. 1656 war Rembrandt bankrott. Der Tod ereilte ihn als armen Mann.

Ein weiterer Grund der ungebrochenen Faszination, die bis heute vom rein gar nicht kohärenten Werk Rembrandts ausgeht, ist sicher der autonome Charakter jeder einzelnen Arbeit. Selbst die flüchtigste Skizze wirkt in sich geschlossen als eigenständiges Werk - als Beobachtung, die sich selbst genügt. Rembrandts fast fotografisch spontan "aufgenommene" Szenen aus dem Alltag sind von derselben Lebendigkeit, die etwa sein Monumentalgemälde Nachtwache im Rijksmuseum Amsterdam von anderen Gruppenporträts der Schützengilden unterscheidet. Ein zerfranster Strich ist mit ebensolcher Sicherheit gesetzt wie behutsame Linienstrukturen oder die Komposition großer Gemälde.

Rembrandts Meisterschaft im Umgang mit den unterschiedlichsten Techniken ist ein Einzelfall im Goldenen Jahrhundert der Spezialisten. Die Meister neben ihm übten sich vornehmlich in je einer Kategorie und gelangten darin zur Perfektion: Salomon von Ruysdaels Seestücke zeugen noch von seiner Herkunft aus der Landschaftsmalerei, sind vielleicht aber gerade deshalb höchst originelle Belege maritimer Stimmungsmalerei. Adriaen van Ostade nutzte diverse Typen bäuerlichen Lebens zu hoch komplexen Kompositionen, die Ordnung hinter dem vermeintlichen Chaos aufspüren. Und Aert van der Neer fand zu höchster Meisterschaft in nächtlichen oder winterlichen Stücken. Nicolaes Berchen und Jan de Bisschopp wiederum markieren die qualitative Spitze jener, die italienische Stimmung im Bild festhielten - ohne je in Italien gewesen zu sein.

Das "Zeitalter" Rembrandts hätte sich durchaus dieselbe farbige Auszeichnung im Titel verdient, wie Meister Rembrandt sie trägt.  (Markus Mittringer/DER STANDARD, Printausgabe, 4. 3. 2009)

 

Bis 21. Juni

  • Linker Teil eines Gemäldepaares des niederländischen Marine- und Landschaftsspezialisten Salomon van Ruysdael: "Seelandschaft mit Segler links", nach 1650.
    foto: residenzgalerie salzburg

    Linker Teil eines Gemäldepaares des niederländischen Marine- und Landschaftsspezialisten Salomon van Ruysdael: "Seelandschaft mit Segler links", nach 1650.

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