Vom schwarzen Musterknaben zum Sorgenkind

3. März 2009, 18:39
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Skitragödie belastet Thüringens Regierungschef Dieter Althaus

Es soll alles so bleiben, wie es ist. Nicht einmal der Text auf der Homepage von Dieter Althaus wurde nach dessen Skiunfall auf der steirische Riesneralm geändert. "Hier kann ich meine Grenzen ausloten und Energie für meine Arbeit tanken", schreibt Thüringens Ministerpräsident über seine zweite Leidenschaft, den Sport. Aber damals, vor dem 1. Jänner 2009, war die Welt des Dieter Althaus und der Thüringer CDU noch einigermaßen in Ordnung.

Jetzt ist sie so gehörig aus den Fugen geraten, dass selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin nicht verschont bleibt. Sie war es, die Althaus stets gefördert hat. Die zwei haben einen guten Draht zueinander, vielleicht, weil beide Physik studierten, bevor sie sich in der DDR politisch engagierten.

Althaus' Vater gehörte 1952 zu den Gründungsmitgliedern der CDU in der DDR. Der Sohn, damals als Lehrer tätig, trat 1985 in die Ost-CDU ein und organisierte im Wende-Herbst 1989 die Montagsdemonstrationen in seiner thüringischen Heimat Heiligenstadt. Gleichzeitig machte er sich am 9. November 1989 - also ausgerechnet am Tag des Mauerfalls - noch in einem Brief an den Bezirksausschuss für die "marxistisch-leninistische Weltanschauung" stark.

Im wiedervereinigten Deutschland stand für Althaus zunächst Abwarten auf dem politischen Programm - zuerst als Kultusminister, später als Fraktionschef in Thüringen. 2003 war es dann soweit: Sein politischer Ziehvater, der populäre Ministerpräsident Bernhard Vogel, machte Platz, und Althaus wurde Regierungschef.

Als dieser bei der Landtagswahl 2004 die absolute Mehrheit für die CDU holte, hatte Merkel längst einen wohlwollenden Blick auf ihn geworfen. Im Gegensatz zu anderen Landesfürsten machte Althaus ihr das Leben nicht schwer, sondern stand hinter ihrer Politik. Zum Dank machte die Kanzlerin Althaus im Bundestagswahlkampf 2005 zum Beauftragten für die ostdeutschen Länder, was dem heute 50-Jährigen bundesweite Bekanntheit brachte. Seit 2006 sitzt der gläubige Katholik auch im Präsidium der Bundes-CDU.

Solidarität ist eines der zentralen politischen Themen des zweifachen Vaters, der seit 25 Jahren mit einer Lehrerin verheiratet ist. Er macht sich für ein "solidarisches Bürgergeld" stark. 800 Euro soll jeder Bürger als Grundeinkommen erhalten. Ein detailliertes Konzept will Althaus im Laufe des Jahres 2009 vorlegen. So zumindest lauteten die Planungen vor dem verhängnisvollen Skitag auf einer steirischen Skipiste, bei der eine Mutter ums Leben kam. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2009)

 

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