Seltsamer Fußball

3. März 2009, 19:43
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Karel Brückner benötigte nur sieben Monate, um den österreichischen Fußball zu revolutionieren - Von Christian Hackl

Der Tscheche hat in dieser Zeit kein einziges Interview gegeben. Immerhin hat er nicht zwischen Schund und Qualität differenziert. Ihm ist es gelungen, niemals auf den Küniglberg zu klettern, dabei hat ihn der ORF fast täglich ins Studio eingeladen. Speziell nach dem 3:1 gegen Frankreich. Dafür gebührt Brückner Respekt. Er hat den Kontakt zu den Bundesliga-Trainern nur deshalb nicht gefunden, weil er ihn nie gesucht hat. Das war ein Affront.

Denn im Fußball sollen alle in einem Boot sitzen. Im Sport ist das Ergebnis die Wahrheit: Vier Niederlagen, zwei Unentschieden und ein Sieg sind trotz der nationalen Selbstüberschätzung eine zu bescheidene Ausbeute. Die Trennung war logisch. Es blieb dem neuen ÖFB-Präsidenten Leo Windtner vorbehalten, diesen nicht allzu mutigen Schritt zu verkünden und sein Image als Macher zu festigen. Bravo, Windtner räumt auf. Dabei hatte der 69-jährige, von Kreuzschmerzen geplagte Brückner bereits am 23. Februar um eine einvernehmliche Lösung ersucht. Windtners Plan vom Antritt mit einem Paukenschlag drohte durchkreuzt zu werden, schließlich wurde er erst am 28. Februar ins Amt gehievt. Aber was soll's, die paar Tage konnte die Katze ja noch im Sack bleiben. Nun wird Windtner wohl Didi Constantini zum Teamchef bestellen. Rasch - er ist ja ein Macher. Brückner sagte wenigstens einer tschechischen Nachrichtenagentur Bleibendes: "Seltsam." Aber was soll's. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.3. 2009)

 

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