Verzichten lernen

3. März 2009, 18:27
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Geschlechtergerechtigkeit, ohne dass Männer auf Macht und Geld verzichten, wird es nicht geben - von Adelheid Wölfl

Zeit ist Geld. Und weil Frauen in unserer Gesellschaft weniger Zeit für ihre Karriere haben, weil sie die Kinderbetreuung übernehmen, bleibt ihnen weniger Geld. Das führt am Ende von weiblichen Arbeitsbiografien sogar oft in die Armutsfalle. Das wissen wir bereits. Wir wissen auch, dass hochqualifizierte Frauen weniger verdienen als ebenso qualifizierte Männer. Die Fakten liegen seit Jahren auf dem Tisch. Und doch ändert sich wenig. Wenn die Angleichung der Löhne der Männer und Frauen in dem bisherigen Tempo vorangeht, braucht es noch hundert Jahre, bis die Geschlechter gerecht behandelt werden.

Kommissar Vladimir Spidla findet das inakzeptabel und will jedenfalls verhindern, dass die Frauen nun auch noch als "Variable zur Behebung der Finanzkrise" verwendet und vom Arbeitsmarkt verdrängt werden. Seine Kampagne zeigt die Missstände klar auf, doch es ist naiv zu glauben, dass es zu einer freiwilligen Änderung eines Systems kommt, von dem eine Hälfte der Gesellschaft profitiert. Denn klar ist: Geschlechtergerechtigkeit, ohne dass Männer auf Macht und Geld verzichten, wird es nicht geben.

Effiziente Maßnahmen haben einige Länder aber schon vorexerziert. In Frankreich müssen Unternehmen in ihren Jahresberichten etwa genau erklären, warum sie Frauen weniger zahlen. In Finnland haben es sich die Sozialpartner zum Ziel gesetzt, das Lohngefälle zu minimieren. Und in Norwegen hat eine Quotenregelung für Unternehmen dazu geführt, dass Frauen endlich in die Chefetagen kommen. (DER STANDARD, Printausgabe 04.03.2009)

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