Im finsteren Wald

3. März 2009, 18:01
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Entsprechend ihrer unbequemen Lage fallen die Botschaften Clintons sehr gemischt aus - von Gudrun Harrer

Die erste Nahostreise von Außenministerin Hillary Clinton ist wie ein Spaziergang im stockfinsteren Wald. Wobei die Spaziergängerin selbst ortsfremd und noch dazu ziemlich kurzsichtig ist. Darum pfeift sie in alle Richtungen, in der Hoffnung, dass irgendetwas zurückschallt, an dem sie sich orientieren kann.

Der dunkle Wald, das ist eine internationale Geberkonferenz, bei der Millionen für den Wiederaufbau des Gazastreifens zugesagt werden, und keiner weiß, wie das praktisch zu bewerkstelligen sein wird. Weshalb man die "guten" alästinenser international unisono anfleht, sich mit den "bösen" zu vereinen - wissend, dass dann Israel nicht mehr mit ihnen redet. Der Wald ist weiters Israel inmitten einer Regierungsbildung, die eine Weichenstellung von großer Tragweite bedeutet. Sie könnte dazu führen, dass die Palästinenser nicht mehr mit Israel reden.

Entsprechend ihrer unbequemen Lage fallen die Botschaften Clintons sehr gemischt aus. Für jede Seite war bisher etwas dabei: von der Vermeidung des Wortes Terrorismus bei der Konferenz bis zur späten Absegnung der israelischen Gaza-Offensive, vom US-Dialog mit Syrien bis zur Härte gegen den Iran. Sie hält am internationalen Konsens fest, dass eine Zwei-Staaten-Lösung der richtige Weg zum Frieden im Nahen Osten ist, und verspricht Benjamin Netanyahu, der nicht über einen Palästinenserstaat verhandeln will, die ewige Solidarität der USA.

Fazit: Keine Seite sollte versuchen, aus dem, was Clinton jetzt sagt, die neue Nahostpolitik abzulesen. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2009)

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