Ein Gekreuzigter, der auch zerstückelt ist

3. März 2009, 18:10
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Kunsterziehung mit Nick Hornby: "NippleJesus" als Monolog in der Maria-Lassnig-Ausstellung im Mumok

Wien - Kunst und deren Wert sind spätestens seit Yasmina Rezas Boulevardkomödie zum fröhlichen und massentauglichen Verhandlungsgegenstand am Theater geworden. Ihr Konversationsstück namens Kunst kreist um die unter Freunden erstrittene Bedeutsamkeit eines Werkes - und seither in vierzig Sprachen um den Erdball.

Eine Farce auf den Kunstbetrieb bzw. den dafür geleisteten bedingungslosen Körpereinsatz lieferte zuletzt Mark Ravenhill mit pool (no water); sie war im Vorjahr am Akademietheater zu sehen.
Nick Hornby, der britische Kolumnist und Schriftsteller von Kinohits wie High Fidelity oder About A Boy, variiert das Thema als Erfahrungsbericht. In seiner Ich-Erzählung NippleJesus (auf Deutsch 2001) untersucht er das Provokationspotenzial eines Kunstwerks aus der Sicht eines munteren Museumswärters: Eine aufgrund ihrer Nonchalance und ihres anti-stereotypen Entwurfs sympathische und kluge Geschichte, die der Dschungel Wien derzeit in Zusammenarbeit mit dem Museum Moderner Kunst ebendort präsentiert.

Maria Lassnig muss dran glauben. In ihrer Ausstellung erzählt ein Museumswärter von den Vorfällen rund um ein besonderes Exponat: einen aus Brustwarzenmosaiken gebastelten Gekreuzigten. Blasphemie versus Freiheit der Kunst! Letztere wird triumphieren, auf wenig berauschende Weise.
Zuerst zögerlich, doch zunehmend mutiger eignet sich der uniformierte Herr ein Wasserglas an, das für eine vorgebliche Rede des Museumsdirektors vorgesehen ist, und verfällt ins Erzählen.
Ein altbackener Einstieg, der nicht das einzige Angestrengte des Abends (Regie: Jürgen Maurer) blieb: Dass der Ich-Erzähler vom Ex-Türsteher Dave (in Hornbys Original) zum burgenländischen Ex-Tiefgaragenwächter Roli (Reinhold G. Moritz) mutiert, ist eine entbehrliche Anpassung und führt samt intensivem Slang leider nur in Richtung Kabarett. Das aber beraubt die Figur ihrer Ernsthaftigkeit, macht sie zum Dödl.

Wie sehr sich 16-Jährige für diese Form diskursiver Kunstbetrachtung am Theater interessieren, bleibt offen. Für sie hätte der von Etikettendenken freie Dschungel Wien das Stück jedenfalls produziert. Doch 16-Jährige sind selten Laufkundschaft. Und so genießen diesen NippleJesus vor allem jene, die es neben dem Ausstellungsbesuch auch nach ein wenig Entertainment verlangt. Vorstellungen laufen bis 16. Mai. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD, Printausgabe, 4. 3. 2009)

Vorstellungen laufen bis 16. Mai.

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