FACC trotz Problemen mit Plus

3. März 2009, 18:45
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Ausfälle von Airbus und Boeing durch neue Aufträge von Embraer kompensiert - List partizipiert am Wachstum

Wien - Trotz schwieriger Bedingungen konnte der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC im eben beendeten Geschäftsjahr Zuwächse erzielen. FACC konnte mit Ende Februar 2009 den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent auf 271 Mio. Euro steigern.

Gemessen am Dollarwert (die Luftfahrtbranche rechnet weltweit in US-Dollar) ist dies sogar ein Plus von 13 Prozent, erklärte FACC-Chef Walter Stephan. Das noch nicht veröffentliche Ergebnis werde eine "schwarze Null" sein, voraussichtlich zwei Mio. Euro, der Mitarbeiterstand wuchs um hundert Arbeitsplätze auf rund 1600.

FACC hatte im Vorjahr einerseits interne Probleme aufgrund eines Eigentümerstreits zu verdauen, da Fischer seine Anteile verkaufte. Andererseits gerieten Aufträge der beiden großen Kunden Airbus (A380) und Boeing (787 Dreamliner) fast zum Erliegen, da beide Hersteller mehrjährige Verzögerungen aufweisen. Obendrein wurde bei Boeing drei Monate gestreikt, womit die betreffende Produktion für diesen Zeitraum völlig eingestellt wurde.

Vor allem die Verzögerungen bei A380 und 787 stellen für FACC eine große finanzielle Belastung da, da es dabei nicht nur zum Entfall von Einnahmen kommt, sondern auch getätigte Risikoinvestitionen nicht zurück fließen.

FACC ist hier als Toplieferant, "First Tier Supplier" (erste Ebene), an der Finanzierung der Entwicklung der Flieger mitbeteiligt; mit diesem System verteilen die Hersteller Airbus und Boeing Finanzierungskosten und Risiko auf ihre Lieferanten. "Wir haben bei der A380 bisher 85 Mio. Euro investiert und aufgrund der Verlangsamung des Programms erst 95 Mio. Euro zurückbekommen", erklärt Stephan dem Standard. Bei der 787, bei der noch nicht einmal ein flugfähiger Prototyp hergestellt wurde, fiel bisher eine Risikoinvestition von 65 Mio. Euro an.

Neue Aufträge

Den Ausgleich zu diesen Belastungen schaffte FACC durch neue Aufträge des brasilianischen Herstellers Embraer, der erfolgreich im Bereich kleiner Jets (bis zu 100 Passagiere) und Business Jets tätig ist. Für den von Embraer derzeit entwickelten neuen Business Jet Legacy 450 und 500 wird FACC in einem Exklusivvertrag für die rund 20-jährige Laufzeit des Programms das gesamte Innensystem der Flugzeugkabine liefern, sagt Stephan, "alles bis auf das Sitzleder". Der Wert einer Kabinenausstattung liegt zwischen 350.000 und 700.000 Euro, Embraer hat Aussichten auf ein Viertel des auf 2000 Jets geschätzten Marktes.

FACC erweist sich damit erneut als Leitbetrieb für die relativ kleine heimische Luftfahrt-Hersteller. So wird die List Components & Furniture des Yachtausstatters List (NÖ) aus dem Embraer-Auftrag einen mit rund 200 Millionen Euro bezifferten Subauftrag für die Interior-Ausstattung bekommen. Die Spezialität von List sind Oberflächentechnologien, die auch an andere Hersteller geliefert werden.

Weltweit unterliegt die Zuliefer-Industrie einem starken Konsolidierungsdruck; so reduziert etwa Airbus von 40 Top-Lieferanten bei der A380 auf 15 bei der künftigen A350. Auch dabei werde FACC mit mehreren Aufträgen als Top-Lieferant beteiligt sein; auch bei der 787 gelang der Sprung zum Top-Lieferant.

Stephan erwartet 2009 eine stabile Entwicklung, "die Krise wird uns erst 2010 erreichen, aber dann sollten A380 und 787 in Gang kommen" . (spu, DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2009)

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    Liefert komplettes Innensystem für neue Business-Jets von der brasilianischen Embraer: FACC-Chef Walter Stephan.

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