Maoam-Effekt

    3. März 2009, 17:18
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    Kaubonbons und Kindernamen

    Die Zeiten, in denen man Kinder gerne Zbiegniew oder Zlatko taufte, sind offenbar vorbei. Die FAZ berichtete in ihrer Wochenendausgabe von einer Studie der Mainzer Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling, welche sich die historische Entwicklungslinie bei der Vergabe deutscher Vornamen vorgeknöpft hat. Dabei kam Nübling zum Schluss, dass es bei den beliebtesten Namen einen starken Trend hin zu den Hiaten gibt, also "zwei aufeinander folgenden Vollvokalen, die verschiedenen Silben angehören". Während im Jahr 1945 lediglich Marion und Michael von einem Hiat geschmückt wurden, sind heute Namen wie Noah, Mia, Sophia oder Leonie so richtig populär.

    Nübling hat einen hübschen Namen für dieses Phänomen ersonnen: Sie bezeichnet es als "Maoam-Effekt", also mit dem Markennamen eines Kaubonbons, das das Gatschig-Matschige der Kautätigkeit kongenial zum Ausdruck bringt. Ob es inzwischen hiatverliebte Eltern gibt, die ihre Kinder überhaupt gleich Maoam taufen, konnte ich in der Schnelligkeit leider nicht recherchieren.

    PS: Für alle, die es noch nicht wissen: Am Dienstag den 10. 3. 2009, 19 Uhr 30 lese ich in der Buchhandlung Kuppitsch, Schottengasse 4, 1010 Wien, aus der Buchversion des "Wörterbuchs zur Gegenwart". Da muß man durch. Mein Wörterbuch zur Gegenwart. 288 Seiten, Leinen (ISBN 978-3-937801-31-5) ist im Manuscriptum-Verlag erschienen. Die p.t. Leser sind herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen.

    Von Christoph Winder

    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
    Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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