Das geteilte Leid von Elisabeth Gehrer und Claudia Schmied

3. März 2009, 16:40
62 Postings

Wie sich Geschichte in der Schulpolitik wiederholt

Wien - Für beide Seiten, Bildungsministerium wie Lehrergewerkschafter, müssen sie als Argumentationshilfe herhalten in der aktuellen Debatte: Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) und ihre Einschnitte im Schulsystem. Für das Ministerium und Ressortchefin Claudia Schmied (SPÖ) ein Grund, sich positiv darzustellen: Man gebe den Schulen jetzt doppelt so viel zurück, wie ihnen Gehrer genommen hat. Für die Lehrer ist das jene Ministerin, die schon sehr böse zu ihnen gewesen sei, die aber von Schmied noch getoppt werde mit deren Mehr-Unterricht-Programm, das sie den Lehrer verordnen will.

Für Gehrer könnte die aktuelle Szenerie Anlass für so manches Déjà-vu sein, denn offenbar wiederholt sich Geschichte in der Schulpolitik. "Niemand möge sich fürchten" , sagte Gehrer damals bei der Präsentation ihres Plans - eines Wortungetüms namens "Wochenstundenentlastungs- und Rechtsbereinigungsverordnung 2003" , mit dem sie je nach Schultyp unterschiedlich viele Unterrichtseinheiten (zwischen zwei und acht Pflichtwochenstunden über vier Jahre gerechnet) streichen ließ. "Lehrplanentrümpelung" war angesagt. Nicht in Religion und Turnen, die blieben auf ministerielle Anordnung ungeschoren, dafür waren Geografie, Geschichte, Latein, Physik, Biologie und Sprachen überdurchschnittlich betroffen.

Wo heute die Rede von den Arbeitszeiten der Lehrer ist, war es damals jene der Schüler. Basis waren OECD-Daten, wonach die Unterrichtsbelastung der österreichischen Schüler so aussah: Zwölfjährige: 1013 Stunden, 13-Jährige: 1169, 14-Jährige: 1262, Durchschnitt: 1148 Stunden.
Auch damals drohten die Lehrer mit Streik, es gab Dienststellenversammlungen, die Ministerin zeigte sich unbeeindruckt - und ihre Stundenreduktion kam. (nim, DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2009)

Share if you care.