Prohaska machte sich für Herzog stark

3. März 2009, 16:17
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Ex-Teamchef über Ex-Team-Assistenten: "Internationaler Star mit Trainerprüfung und mit 40 Jahren kein Buberl mehr"

Wien - Die plötzliche Trennung des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) von Teamchef Karel Brückner hat auch Herbert Prohaska überrascht. "Wenn, so hätte ich erst nach dem Rumänien-Länderspiel damit gerechnet. Andererseits war für mich klar, dass nach dem Rücktritt von Präsident Friedrich Stichkler der Tscheche nicht bis zu seinem Vertragende bleiben würde", sagte der 53-Jährige am Dienstag.

Österreichs "Fußballer des Jahrhunderts", der von Jänner 1993 bis März 1999 der erfolgreichste ÖFB-Teamchef (51 Länderspiele, 25 Siege, neun Remis) nach 1945 war und die Auswahl zur WM 1998 nach Frankreich führte, möchte im Nachfolgespiel dem neuen ÖFB-Chef Leo Windthner keine Ratschläge erteilten. Alle Genannten wie Didi Constantini, Andreas Herzog, Peter Pacult, Frenkie Schinkels, Franco Foda usw. würden der Aufgabe gewachsen sein. Seiner Meinung nach wird es eine Lösung mit einem Trainer geben, der derzeit nicht unter Vertrag steht. Es wäre nicht gut, würde der ÖFB eine Abfertigung zahlen.

"Internationaler Star mit Trainerprüfung"

Die Austria-Ikone, die die Violetten als Mittelfeldstratege zu sieben und als Trainer zu zwei Meistertitel geführt hatte, verhehlte aber nicht, dass es ihm um Herzog leidtue. "Er hätte das Zeug dafür, den Respekt der Mannschaft und er hätte es sich verdient. Er kann das zu 100 Prozent", meinte Prohaska. Der Rekordteamspieler spreche die Sprache der Spieler, habe als Assistent drei Jahre Erfahrung gesammelt und unter guten Trainern für den FC Bayern und SV Werder sowie "auch unter mir" gespielt. "Er ist ein internationaler Star mit Trainerprüfung", meinte "Schneckerl".

"Mit 40 Jahren kein Buberl mehr"

Dass Herzog noch keine Mannschaft als Cheftrainer gehabt hat, dürfe kein Kriterium sein. Auch ein Jürgen Klinsmann habe vorher keinen Mannschaft betreut und sei dann mit Deutschland 2006 WM-Dritter geworden. "Josep Guardiola hat jetzt mit Barcelona Erfolg und vorher auch nur die Reservemannschaft trainiert", bemerkte Prohaska. Auch wenn das Duo eine bessere Mannschaft unter seinen Fittichen gehabt habe, müsse man sich den Erfolg erarbeiten. Herzog sei mit 40 Jahren kein Buberl mehr. "Wenn nicht jetzt, wann sollte er dann das Amt übernehmen. In ein paar Jahren sagt man dann, er ist zu alt."

"Ich will das nicht mehr"

Er, Prohaska, nahm sich gleich selbst aus allen Spekulationen, er könnte als Teamchef die oberste Trainerfunktion im Land vielleicht neuerlich übernehmen. "Das will ich nicht mehr. Ich habe vor einigen Jahren für mich eine Entscheidung getroffen. Ich habe mir etwas Sicheres aufgebaut, das müsste ich alles aufgeben und ich weiß, wie schnell es im Trainer-Geschäft gehen kann. Dann müsste ich mir 2010 vielleicht wieder alles neu aufbauen", sagte der ORF-Fernseh-Analytiker und Zeitungskolumnist.

Prohaska, der zweimal als Spieler an einer WM-Endrunde (1978 und 1982) teilgenommen und sich mit seiner Familie in Klosterneuburg niedergelassen hat, könnte sich auch eine Duo an der ÖFB-Teamspitze mit Herzog und Constantini oder Herzog und Schinkels etc. vorstellen. "Das wäre Okay, da müssten dann die Kompetenzen abgestimmt werden und einer der Verantwortliche sein." Eine Doppelfunktion Club- und Teamtrainer sei hingegen keine gute Variante. "Vor allem dann nicht, wenn die Person im eigenen Land arbeitet." Der Niederländer Guss Hiddink ist derzeit als Teamchef des russischen Nationalteams und für Chelsea in England tätig.

"Aufgabe wird für jeden schwer"

Ob der neue Teamchef aus dem In- oder Ausland kommen sollte, ist für Prohaska nicht so entscheidend. "Egal, wer es letztlich wird, die Aufgabe wird für jeden schwer, weil es in unserer Mannschaft auch ein bisschen an Qualität feht. Aber ein neuer Mann gibt dem Team einen neuen Ruck, erzeugt eine Art Trainereffekt." Das Alter des neuen Teamchef dürfe ebenfalls keine Rolle spielen. Der 53-fache Internationale (10 Tore) nannte Spaniens EM-Macher Luis Arragones und dessen in Griechenland tätigen deutschen Kollegen Otto Rehhagel als Beispiele.

Daher sei die Idee mit Brückner, der seine Erfolge gehabt habe, nach der EM bzw. Josef Hickersberger im Sommer 2008 auch Okay gewesen. "Den einzigen Vorwurf, den ich dem ÖFB mache, ist, dass der Tscheche unsere Sprache nicht beherrscht hat. Wenn die Spieler den Trainer nicht genau verstehen, wird es schwierig, ihr Respekt mit der Zeit immer weniger", meinte Prohaska aus seiner langen, auch internationalen Tätigkeit. Er warf dem Trainer-Legionär auch vor, sich viel zu selten bei Beobachtungen von Liga-Spielen in den Stadien hatte blicken lassen. (APA)

 

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    Prohaska relativiert Unerfahrenheit: "Josep Guardiola hat jetzt mit Barcelona Erfolg und vorher auch nur die Reservemannschaft trainiert."

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