EU-weiter Bann für Robbenprodukte gefordert

3. März 2009, 14:53
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Betroffen wären sämtliche Produkte wie Felle, Öle oder Fleisch - Kanada entsetzt

Wegen der "unmenschlichen" Methoden bei der Robbenjagd will ein Ausschuss des Europaparlaments den Import von Robbenprodukten EU-weit verbieten. Der Binnenmarktausschuss des Parlaments stimmte am Montagabend in Brüssel für ein europaweites Einfuhr- und Handelsverbot. Betroffen wären sämtliche Produkte wie Felle, Öle oder Fleisch der oft grausam gejagten Tiere.

Für das allgemeine Verbot stimmten 25 Abgeordnete, dagegen waren sieben. Die zuständige Europaabgeordnete, die britische Liberale Diana Wallis, hatte sich zuvor lediglich für eine Etikettierung der Robbenprodukte ausgesprochen.

Während Tierschützer das Votum begrüßten, löste der Beschluss unter Kanadas Robbenfänger und im Fischereiministerium in Ottawa Entsetzen aus. "Wir sind sehr, sehr enttäuscht über Brüssel", sagte die Ministerin Gail Shea der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Der Ausschuss war fehlinformiert und hat sich nicht von Fakten, sondern von politischen und emotionalen Erwägungen leiten lassen".

Kanada entsetzt

Der vorliegende Gesetzentwurf der EU würde Kanada doppelt treffen, erläuterte die Fischereiministerin. Außer dem Import wollten die Europäer auch den Transport von Robbenprodukten über ihre Straßen und den Luftraum strafbar machen. Laut Shea verkaufen kanadische Robbenfänger bisher etwa die Hälfte ihrer jährlichen Ausbeute an Abnehmer in der EU. Darüber hinaus ist die Modeindustrie in Norwegen, Russland und China sehr an Robbenfellen interessiert.

Lesley O'Donnell vom Internationalen Tierschutzfonds (IFAW) betonte dagegen: "Die Mehrheit der europäischen Bürger ist gegen die grausame, kommerzielle Robbenjagd und ein klares Importverbot würde dies widerspiegeln." Nach Angaben der EU-Kommission werden jährlich 900.000 Robben für kommerzielle Zwecke getötet. Die Tiere werden vor allem in Kanada, Grönland und Namibia gejagt.

Abstimmung Anfang April

Das Parlamentsplenum soll Anfang April über das neue EU-Gesetz abstimmen. Ob es dem Vorschlag des Binnenmarktausschusses folgen wird, ist aber noch völlig offen, wie der stellvertretende Binnenmarktsprecher der konservativen EVP-Fraktion, der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab, einräumte. Problematisch sei der Rechtsgrundlage des neuen Gesetzes. Dagegen erklärte die sozialistische Fraktion, der die SPD angehört, das Votum von 25 zu 7 lasse erwarten, dass das Plenum diesem folgen werde. Anschließend muss sich das Europaparlament mit den 27 EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission auf einen Kompromiss einigen.

Robbenfelle sind bei der Herstellung von Pelzen begehrt. Nach Darstellung des Deutschen Tierschutzbundes wird den Tieren häufig der Schädel zertrümmert, nachdem sie mit einem Schläger mit einer aus einem Metallhaken bestehenden Spitze auf das Eis gezogen wurden. Oft werden die Robben den Angaben zufolge bei lebendigem Leibe gehäutet.

Tierschutzgerechtes Töten nahezu unmöglich

Die USA haben bereits 1972 ein Importverbot für kanadische Robbenprodukte verhängt. Auch in den EU-Staaten Slowenien, den Niederlanden und Belgien gibt es einen Bann für Robbenprodukte. Die EU-Kommission hatte im Juli 2008 ein Gesetz vorgeschlagen, um den Handel von Robbenprodukten EU-weit zu verbieten. Das Verbot soll aber nur gelten, wenn die Tiere unter unnötigen Qualen getötet wurden. Eine Ausnahme macht der EU-Vorschlag für Eskimos, deren traditionelle Robbenjagd ihre Existenz sichere.

Tierschützer warnen aber, dass ein tierschutzgerechtes Töten der Robben nahezu unmöglich sei. Auch sei die Überwachung von Regeln auf den weiten, unübersichtlichen Eisfeldern schwierig.

Deutschland hatte den Vorschlag der EU-Kommission begrüßt. Derzeit ist in Berlin ein Gesetzentwurf anhängig, der den Handel mit Robbenprodukten strenger einschränken soll als der Brüsseler Vorschlag dies täte, aber nicht ganz verbieten soll. Das Regelwerk liegt wegen der anstehenden EU-Gesetzgebung derzeit aber auf Eis. (APA/dpa)

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