Finanzkrise verschärft psychische Probleme am Arbeitsplatz

3. März 2009, 14:47
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Verstärkter Konkurrenzdruck fördert Burn-out und Mobbing - Experten warnen vor den Folgen von Krankenständen bis hin zum Suizid

Wien - Mit den steigenden Anforderungen in der Arbeitswelt steigt der Druck auf die Menschen, die Finanzkrise verstärkt die Situation. Die angespannte Situation am Arbeitsplatz führe vermehrt zu psychischen Stress und Krisen: Konkurrenzdruck fördere Burn-out und Mobbing, berichtete der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Experten warnten vor Folgen von Krankenständen bis zum Suizid.

Arbeitnehmer seien heutzutage mit zunehmenden Arbeits-, Leistungs- und Flexibilitätsdruck konfrontiert, dazu kämen Sorgen wie drohende Entlassungen und Werkschließungen, so Eva Mückstein, Präsidentin des ÖBVP. "Wenn Probleme wachsen und der Eindruck entsteht, dass keine persönliche Entscheidungsfreiheit mehr gegeben ist, können psychische Störungen oder Burn-out entstehen."

Mobbing durch steigenden Konkurrenzdruck

Durch den Druck käme es zu verstärktem Konkurrenzkampf, psychische Gewalt wie Mobbing steige: 2007 seien rund 93.000 Österreicher - 2,2 Prozent der Männer und 2,5 Prozent der Frauen - solchen Belästigungen am Arbeitsplatz ausgesetzt gewesen. Unter Stress, Angstzuständen oder Depression aufgrund ihrer Arbeitssituation litten 0,8 Prozent der Erwerbstätigen.

"Wenn keine Lösungen angeboten werden, entstehen Ohnmachtsgefühle", meinte Mückstein. Die Folgen würden von Krankenstand, Erwerbsunfähigkeit über Missbrauch von Psychopharmaka und Alkohol, Angst- und Depressionszustände bis hin zum Selbstmord reichen. Durch Burn-out entstünden jährlich Kosten in der Höhe von rund 20 Milliarden Euro, durchschnittlich vier bis sieben Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung leide unter dieser Form von Stress und rund 16 Prozent würden ein erhöhtes Risiko zeigen, zitierte die Präsidentin Schätzungen der EU.

Weniger Krankenstände - mehr psychische Probleme

"Bei der österreichischen Krankenstandentwicklung ist die Tendenz grundsätzlich rückläufig - wir nehmen an, dass das auch durch den Druck entstanden ist und sich viele Menschen einen Krankenstand überlegen", sagte Mückstein. Eine gegenläufige Entwicklung zeige sich bei den psychischen Problemen: "Diese nehmen zu." Auch sind psychische Erkrankungen mittlerweile bei Männern die zweithäufigste und bei Frauen die häufigste Ursache für eine Invaliditätspension. Der ÖBVP forderte, dass ein "jeder Versicherter ein Recht auf psychotherapeutische Behandlung" haben muss sowie die sofortige Erhöhung des Zuschusses für die Wahlpsychotherapie von 21,80 Euro (seit 1992) auf zumindest 40 Euro. (APA)

 

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