Zu wenig Lebensnähe in Physik & Co.

3. März 2009, 13:09
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Interesse ist da, doch Unterricht dämpft Motivation - Flächenfach Science soll Geschlechterdifferenz verringern

Wien - Österreichs Schüler zeigen prinzipiell Interesse an den Naturwissenschaften. Der Unterricht dämpft allerdings deren Motivation, sich damit zu beschäftigen. Das ist ein Ergebnis der Detailauswertung der PISA-Studie 2006, die am Montagabend präsentiert wurde. Das Problem: Die Jugendlichen interessieren sich vor allem für konkrete Fragestellungen, während im Unterricht die Theorie dominiert.

Die Experten plädieren für die Einführung eines Flächenfachs Science mit lebensnahen Problemstellungen. Dadurch könnten auch die schlechten Physik-Leistungen der Mädchen - der Abstand zu den Burschen ist in Österreich so groß wie in keinem anderen OECD-Land - verbessert werden.

"Schüler bei den Themen abholen"

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) betonte, dass im Rahmen der geplanten neuen Lehrerausbildung die "Lenkung in Richtung eines Science-Fachs ein wichtiger Schritt" sei. "Man darf die 10- bis 14-Jährigen nicht überfordern, indem Physik, Chemie und Biologie nebeneinander unterrichtet werden und gleichzeitig darauf hoffen, dass sie die Fächer selbst integrieren", betonte Günter Haider, Direktor des Bundesinstituts für Bildungsforschung BIFIE, das den Expertenbericht erstellt hat. "Wir müssen die Schüler bei den Themen abholen", betonte Haider, "statt fachspezifisch zu lehren".

Biologie des Menschen sehr beliebt

Bei der Detailanalyse haben die Experten festgestellt, dass sich Mädchen und Buben bei den Naturwissenschaften für unterschiedliche Bereiche interessieren. Drei von vier Schülern (76 Prozent) wollen über die Biologie des Menschen lernen, unter den Mädchen sind es fast neun von zehn (86 Prozent). Am wenigsten Anklang finden Themen, die für naturwissenschaftliche Erklärungen erforderlich sind (34 Prozent).

Interesse an Studium sehr gering

Bei Burschen wie Mädchen zeigt die Studie für Österreich eine im Vergleich mit anderen OECD-Ländern "extrem niedrige instrumentelle Motivation". "Für die Schüler ist es nicht erlebbar, wofür die das Gelernte später brauchen oder verwenden können", so BIFIE-Expertin Ursula Schwandtner. Die OECD-weit geringsten Werte hat Österreich bei der "zukunftsorientierten Motivation" - die Schüler erwägen nur ganz selten, ein Studium oder einen Beruf im Bereich Naturwissenschaften zu ergreifen.

Bei der PISA-Studie 2006 hatten die österreichischen Schüler beim Schwerpunktthema Naturwissenschaften Rang zwölf unter den 30 OECD-Staaten erreicht und lagen damit erstmals signifikant über dem OECD-Mittelwert. (APA)

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    Mehr Experimente - weniger Theorie: das würden sich viele Schüler in naturwissenschaftlichen Fächern wünschen.

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