Postpackerl macht keine Freude

3. März 2009, 11:48
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Verkehrsministerin Bures zeigt sich vom neuen Postkonzept wenig angetan, Faymann zweifelt am gleichwertigen Ersatz und ein Teil der Post-Gewerkschaft droht mit Streik

Wien - Verkehrsministerin Doris Bures zeigte sich am Dienstag von neuen Postkonzept (weniger Ämter- mehr Postpartner) wenig angetan. "Bisher gibt es nur Ankündigungen. Ich denke, hier ist eine große Portion Skepsis angebracht", so die für die flächendeckende Postversorgung zuständige Ministerin. Bures wirft dem Postmanagement vor, sich nicht an die Ankündigung eines Schließungsstopps bis Mitte 2009 gehalten zu haben. Außerdem seien von den seit 2000 geschlossenen rund 1.000 Postämtern gerade einmal 200 durch Postpartner ersetzt worden, kritisiert Bures.

Sie kündigte heute in einer Aussendung eine "strenge Prüfung" des Postkonzeptes an: "Ich werde die Möglichkeiten, die ich habe voll nutzen, um eine flächendeckende Versorgung der Menschen und der regionalen Wirtschaft mit Postdienstleistungen - in der Stadt und am Land - sicherzustellen."

Faymann pocht auf gleichwertige Lösung

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat am Dienstag eine genaue Überprüfung des Ersatzangebotes der Post gefordert: "Wir vertreten auch den ländlichen Raum. Die Menschen haben die Sorge, dass eine wichtige Dienstleistung dort nicht mehr erbracht wird", so der Kanzler. Wie der Ersatz für die geschlossenen Postämter aussehen wird und wie die gleichwertige Leistung erbracht wird, das hätte man nun zu überprüfen, so Faymann.

Und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter ergänzte: "Die Vorschläge der Post-Führung sind leider alles andere als zukunftsorientiert, von kreativen Lösungen und Ideen ist weit und breit nichts zu sehen." Und er schoss sich auf den Chef der Staatsholding ÖIAG, Peter Michaelis, ein: "Michaelis hat in den letzten Monaten mehrmals unter Beweis gestellt, dass er heillos überfordert ist und nicht imstande ist, eine erfolgreiche Unternehmenspolitik zu garantieren. Es wäre daher am besten, wenn Michaelis endlich den Weg freimacht, um einen dringend notwendigen Neubeginn zu ermöglichen."

Massive Streikmaßnahmen

Manfred Wiedner, Chef der christdemokratischen Fraktion (FCG) der Postgewerkschaft, ging heute noch einen Schritt weiter. Er schloss "massive Streikmaßnahmen" nicht aus. Außerdem hofft er auf die Unterstützung der Gemeinden. Würde es einen Gemeinderatsbeschluss geben, wonach kein Postpartner im Ort zur Verfügung stehe, wäre zumindest Zeit gewonnen. Eine langfristige Absicherung sei nur durch gesetzliche Änderungen möglich, so Wiedner. "Daher haben wir auch das Volksbegehren 'Stopp dem Postraub' ins Leben gerufen", betonte Wiedner. Am Freitag den 6. März, wird das Begehren im Innenministerium eingebracht.

Der Städtebund wiederholte heute seine Forderung nach einer gesetzlichen Verankerung einer Universaldienst-Kommission.

Info für Interessierte

Auf der Homepage der Post können Interessierte nachlesen, wie es mit ihrem Postamt aussieht. Infos unter http: www.post.at/postpartner. Ein Blick auf die Liste zeigt, dass insbesondere in den Grenzregionen österreichweit Postämter zugesperrt und durch Postpartner ersetzt werden. Weiters sind die zusätzlichen Postpartner nicht gleichmäßig über die Bundesländer verteilt. So sperren im Burgenland 14 Filialen zu, es kommen unterm Strich aber nur 17 Partner dazu. Ähnlich in Salzburg, wo 21 Ämter schließen und 25 Partner dafür aufsperren. Zum Vergleich: In der Steiermark werden 33 Filialen abgedreht, dafür kommen 56 Partner. Und während in Nieder- und Oberösterreich nahezu gleich viele Ämter verloren gehen, kommt Niederösterreich auf 402 "Poststellen neu" (sprich Ämter und Partner) und Oberösterreich nur auf 304.

Überraschend ist die Begründung der Post AG für den Ersatz von Ämtern durch Partner: "Wir tauschen alte teure Betriebsformen gegen eine kundenfreundlichere und kostengünstigere Variante", heißt es dazu in den Presseunterlagen. (APA)

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    Ministerin Bures will streng prüfen.

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