Wiener Städtische muss sparen

3. März 2009, 17:28
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Konzernweit müssen Kosten um 100 Millionen Euro sinken. Die Allianz Österreich überstand die Krise ohne größere Blessuren

Wien - Die Vienna Insurance Group (VIG, früher Städtische), einer der größten Versicherer in Osteuropa, tritt mit Hilfe der Berater von Mc Kinsey auf die Kostenbremse. Konzernweit sollen bis 2010 mindestens 100 Mio. Euro eingespart werden, kündigte VIG-Chef Günter Geyer an. Das "Optimierungspotenzial" in der Größenordnung bezieht sich laut Geyer etwa je zur Hälfte auf Sach- und Personalkosten. 100 Mio. Euro entsprechen etwa fünf Prozent der rund zwei Mrd. Euro teuren Konzernkosten, ohne Abschreibungen und Provisionen. Die Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl - vermutlich im niedrigen dreistelligen Bereich - lasse sich nicht genau beziffern: Bei den Ablaufoptimierungen könnte es sowohl Auslagerungen als auch den umgekehrten Weg, also vermehrte Zentralisierungen geben.

Begründet wird das Sparprogramm mit der weltweiten Finanzkrise und dem branchenweit bescheidenen Wachstum in Österreich. Die VIG hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Gesellschaften in Osteuropa gekauft. Nun gelte dort die Vertriebs- und Verwaltungskosten zu reduzieren, wird argumentiert. In einigen dieser Ländern, etwa in Bulgarien, lägen die Prämieneinnahmen in Relation zu den Kosten noch bei 40 Prozent, in Österreich sind es 30 Prozent. Angestrebt wird ein Wert von 25 bis 27 Prozent.

Geplant ist zudem eine Konzentration von Backoffice, aber auch Zusammenlegungen von Standorten, um Raumkosten zu sparen. Die Personalkosten-Einsparungen würden sich stärker außerhalb Österreichs abspielen, "aber auch in Österreich", so Geyer.

Bei der VIG merkte man bereits im vierten Quartal 2008 einen Rückgang bei den Einmalerträge der Lebensversicherung, ein Trend der auch zu Jahresbeginn anhielt. Versicherungsintern vermutet man, dass die Kunden ihr Geld lieber in zur Gänze vom Staat garantierten Spareinlagen transportierten. Und in Osteuropa "stehen die Leasingfirmen bei Kfz-Leasing-Verträgen auf der Bremse", wird argumentiert. Unverändert nachgefragt werden Garantieprodukte.

Allianz mit weniger Gewinn

Die Allianz Österreich überstand im Vorjahr die Krise zwar ohne größere Blessuren, das Finanzergebnis ging aber stark zurück, und der Jahresgewinn halbierte sich beinahe. Aus Vorsichtsgründen hat die Allianz Österreich 2008 schon recht früh die Aktienquote in der Veranlagung stark zurückgefahren - bis Jahresende auf Null. Waren es im Jänner noch über 18 Prozent, wurde bereits im Februar auf zehn Prozent reduziert, ab Oktober dann auf null. Aktuell hält die Allianz laut Vorstandschef Wolfram Littich wieder bei drei Prozent Aktienquote, allerdings beträgt in der Sachgesellschaft der Anleihen-Anteil 74 Prozent, in der Lebenssparte sogar 93 Prozent. Die Gewinnbeteiligung bei der Lebenspolizzen liegt bei 4,25 Prozent plus 0,25 Prozent Schlussgewinn, also in Summe 4,5 Prozent - obwohl die EZB diese Woche den Leitzins auf 1,5 Prozent senken dürfte, so Littich. (cr, DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2009)

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    VIG-Chef Günter Geyer verordnete ein Sparprogramm.

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