Großfusion in der Schweiz

4. März 2009, 11:37
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Tamedia ("20 Minuten", "Tages-Anzeiger") übernimmt Edipresse - Mit Grafik

Zürich/Lausanne/Wien - Und wer hat's erfunden? Die Österreicher, scheint's: 21 Jahre nach dem Zusammenschluss von Kronen Zeitung und Kurier vereinen sich die Schweizer Großverlage Tamedia und Edipresse. Bei näherer Betrachtung hinkt der Vergleich ein wenig.

Tamedia konzentriert sich vor allem auf die deutschsprachige Schweiz. Edipresse beherrscht klar die französischsprachige Westschweiz (Tabelle unten links), Tamedia ist dort immerhin mit 20 minutes stark vertreten. Mit der Fusion legen die beiden Konzerne ihre französischsprachigen Gratistitel 20 minutes und Le Matin bleu zusammen.

Tamedia übernimmt Edipresse in drei Schritten bis 2013, bezahlt für 50,1 Prozent 153 Millionen Euro. Die Eigentümer der Edipresse beteiligen sich an der Tamedia.

Ringier voran

Auch nach der Fusion ist die Gruppe nicht umsatzstärkster Printkonzern des Landes wie die Mediaprint in Österreich. Tamedia will gemeinsam 844 Millionen Euro umsetzen. Ringier erreichte 2007 (zuletzt veröffentlichter Wert) 985 Millionen Euro.

Ringier macht die knappe Milliarde allerdings inklusive internationaler Aktivitäten. Edipresse nimmt ihr Auslandsgeschäft (wie ihr erfolgreiches Wirtschaftsmagazin Bilan) von der Fusion mit Tamedia aus. Alleine in der Schweiz schaffte Ringier mit dem Boulevardblatt Blick und zahlreichen Magazinen zuletzt überschaubarere 377 Millionen Umsatz. Deutlich weniger als der neue Riese.

"Ein neuer Gigant ist in der Schweiz geboren", sagte Kommunikationswissenschafter Stephan Russ-Mohl: abwarten, ob publizistische Vielfalt die Fusion überdauere. Russ-Mohl sieht die Übernahme als Kampfansage an branchenfremde Wettbewerber wie Google oder Facebook. (fid, sda/DER STANDARD; Printausgabe, 4.3.2009)

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