"Es gibt keinen Plan für einen Wiederaufbau"

3. März 2009, 11:12
11 Postings

Caritas-Vertreter erhebt schwere Vorwürfe gegen Abbas-Regierung - Gazastreifen bei Geberkonferenz in Sharm el-Sheikh "überhaupt nicht vertreten"

Gaza/Berlin - Schwere Vorwürfe gegen die Behörde des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas hat der Caritas-Vertreter im Gazastreifen, Omar Shaban, im Gespräch mit dem Berliner "Tagesspiegel" erhoben. "Es gibt keinen Plan für einen Wiederaufbau, der mit uns vor Ort beraten wurde. Wir sind darüber sehr frustriert", sagte er. Bei der internationalen Geberkonferenz im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh am Montag sei der Gazastreifen "überhaupt nicht vertreten" gewesen. "Die Regierung der palästinensischen Selbstverwaltung von Mahmoud Abbas hat lediglich einige Einzelpersonen kontaktiert, um statistische Angaben über die Schäden zu erfragen".

Hilfsgelder bereitzustellen

"Die internationale Gemeinschaft muss sich darüber klar werden, was sie will. Sie weiß, dass die Hamas im Gazastreifen die Macht hat. Und sie weiß auch, dass die palästinensische Selbstverwaltung von Präsident Abbas hier nicht mehr präsent ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Abbas alleine große Projekte im Gazastreifen planen, finanzieren und kontrollieren will", sagte Shaban. "Hilfsgelder bereitzustellen, das ist der einfachste Teil. Wesentlich komplizierter ist die Frage, wie die Mittel ausgegeben werden sollen, wer die Finanzen überwacht und die Arbeiten kontrolliert. Wir schlagen der internationalen Gemeinschaft vor, viel stärker mit der Zivilgesellschaft und dem Privatsektor in Gaza zusammenzuarbeiten. Eines ist klar: Solange es keine politische Versöhnung zwischen der Hamas und der Fatah gibt, lässt sich die Verwendung der Gelder praktisch nicht kontrollieren."

Der Caritas-Beauftragte forderte das Ende der israelischen Gaza-Blockade und Freizügigkeit: "Sie können endlose Milliarden Dollar nach Gaza schicken. Wenn die Grenzen geschlossen bleiben, wird das alles nichts nützen."

"Niemand will, dass das Leid der Bevölkerung verlängert wird. Aber wir müssen realistisch bleiben: Versöhnung zwischen der Fatah und der Hamas wird es nur geben, wenn genügend Druck ausgeübt wird - von den USA, Saudi-Arabien, Syrien und Ägypten. Ich bin relativ optimistisch. Beide Seiten scheinen begriffen zu haben, dass sie ihren Konflikt beenden und einen Kompromiss finden müssen", so Shaban. (APA)

Share if you care.