Andreas Herzog schmeißt Assi-Job hin

3. März 2009, 18:46
123 Postings

Drei Jahre hat der Ex-Internationale den Job ausgefüllt, nun rekapituliert er das Scheitern Karel Brückners

Standard: Warum ist Karel Brückner gescheitert?

Herzog: Es gab zwei Hauptgründe. Die Sprache war ein Riesenproblem. Im Betreuerstab ist es halbwegs gegangen, aber mit den Spielern klappte die Verständigung nicht. Sein Deutsch reichte nicht aus. Und dann hatte er starke Schmerzen im Rücken, in der Vorbereitung auf Färöer und Serbien konnte er kaum auf dem Platz stehen. Das hat ihm wohl die restliche Energie geraubt.

Standard: Wie haben Sie die Zusammenarbeit empfunden?

Herzog: Ich möchte nichts Schlechtes sagen, jeder hat seine Art.

Standard: Fehlte Brückner die soziale Kompetenz?

Herzog: Josef Hickersberger hat alles besprochen und die Leute eingebunden. Brückner war das Gegenteil. Ich musste zum Beispiel mit den Medien reden, wusste aber nicht, was ich sagen soll und was ich sagen darf.

Standard: Brückner hat schon am 23.Februar von sich aus um eine einvernehmliche Vertragsauflösung ersucht. Wussten Sie davon? Können Sie die Inszenierung des ÖFB nachvollziehen?

Herzog: Ich ahnte, dass er nicht mehr will und es nur ein Frage der Zeit ist. Dass es so schnell geht, war dann doch überraschend. Ich wurde am Montag zum ÖFB bestellt, dachte, ich soll interimistisch als Teamchef einspringen. Ein Irrtum. Ich hätte zugestimmt.

Standard: Das heißt, Sie verlassen den Fußballbund?

Herzog: Das heißt, dass ich sicher nie mehr den Assistenten spiele. Ich will als Trainer selbst Verantwortung übernehmen und meinen Schädel für Dinge hinhalten, die ich selbst verbockt habe. Ich habe beim ÖFB einen Vertrag bis Jahresende und bin für die U16 zuständig. Aber meine langfristige Zukunft sehe ich als Vereinstrainer.

Standard: War es ein Fehler, nach dem Rücktritt von Hickersberger im Betreuerstab zu bleiben?

Herzog: Nachher ist man immer gescheiter. Ich wollt ja aufhören, man hat mich aber darum gebeten, nicht zu gehen. Weil ich die Spieler kenne und das Team mitgeformt habe. Vielleicht war ich zu blauäugig. Ab sofort mache ich jene Dinge im Fußball, die mir Spaß machen. Mein Plus ist, dass mich keine Existenzängste plagen. Es ist ein Luxus, stolz sein zu können. Der Herzog muss niemandem in den Hintern kriechen.

Standard: Gibt es ein Grundübel im Team? Müssten die Spieler nicht stärker in die Verantwortung genommen werden?

Herzog: Vermutlich, aber man darf es sich nicht zu einfach machen. Ein Umdenken sollte stattfinden, einige Schlüsselspieler stecken seit Monaten in Formkrisen. Wir haben alle versagt, auch der gesamte Betreuerstab. Die Ergebnisse belegen das eindrucksvoll, das Potenzial wurde nicht ausgeschöpft.   (Mit Andreas Herzog sprach Christian Hackl)

 

 

Zur Person:
Andreas Herzog (40) ist mit 103 Länderspielen (26 Tore) der Rekordinternationale Österreichs. Seit 2006 arbeitet er als Co-Trainer des Nationalteams.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Andreas Herzog hat als Co-Trainer des Nationalteams ausgedient. Das war eine Folge der Trennung des ÖFB von Teamchef Karel Brückner.

Share if you care.