Bilderbuch gegen Rollenklischees

3. März 2009, 10:47
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Stadt Wien versucht mit Publikation vorherrschende Geschlechter-Stereotypen aufzuweichen

Wien - Mit einem neuen Bilderbuch will die Stadt Wien vorherrschende Geschlechter-Stereotypen aufweichen: In diesem "Rollenbilderbuch" sind Angehörige verschiedener Berufsgruppen abgebildet, wobei Kopf, Ober- und Unterkörper variabel sind und so immer neue Figuren zusammengesetzt werden können. Das Ergebnis ist dann etwa eine Feuerwehrfrau oder ein Kindergärtner. Verteilt wird das Klappenbuch erstmals am Freitag bei der Veranstaltung "Offenes Rathaus für Frauen in Wien", die anlässlich des Internationalen Frauentags am Sonntag stattfindet.

Frauen können alles

"Wir wollen mitteilen: Ja, die Rolle ist veränderbar", fasste Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (S) die zentrale Botschaft in einer Pressekonferenz am Montag zusammen. Das an Kinderspielzeug erinnernde Gimmick sei als Einladung für Groß und Klein gedacht, sich spielerisch mit persönlichen Klischees auseinanderzusetzen und diese zu hinterfragen. Es besteht aus einzelnen Kartonkärtchen, auf denen entweder Kopf, Rumpf oder Beine in jeweils berufstypischer Kleidung abgebildet sind. Diese können separat umgeblättert werden, wodurch sich zum Teil äußerst ungewohnte Bilder ergeben. Diese sollen - so Frauenberger - zeigen: "Frauen können alles, was Männer können - und umgekehrt."

Infos mittels Kurztexten

Auf den Hinterseiten der einzelnen Kartonelemente sind zudem informative wie unterhaltsame Kurztexte abgebildet, die vom Frauenanteil auf der Technischen Universität über Ausschnitte aus Liedtexten bis hin zum Vergleich von Einstiegsgehältern in "klassischen" Männer- bzw. Frauenberufen reichen. Zusätzlich hat die Stadt Gratis-Postkarten mit Slogans wie "Frauenrolle vorwärts statt Dauerwelle rückwärts" oder "Frauen tanzen nicht nach Rock und Rolle" produzieren lassen.

Hinter diesem spielerischen Zugang stehe jedoch ein ernstes, breites Programm, verwies Frauenberger auf die Arbeitsschwerpunkte ihres Ressorts. Diese umfassen etwa gendergerechte Materialien für Kindergärten und Schulen, Workshops für Eltern oder das seit dem Vorjahr laufende "Roberta"-Projekt. Bei diesem lernen Mädchen, Roboter zu programmieren, wodurch ein langfristiges Interesse für Naturwissenschaften geweckt werden soll.

Renaissance der Familiarisierung

Gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten gebe es eine Renaissance der Familiarisierung, die oft mit einer Rückkehr von Rollenklischees einhergehe, konstatierte Frauenberger. Aufgabe der Politik sei es, diesen "gesellschaftlichen Backlash" zu verhindern. Das "Offene Rathaus für Frauen in Wien" am Freitag (15.30 Uhr bis 19.00 Uhr) soll mit zahlreichen themenbezogenen Talks, Info- und Beratungsangeboten dazu beitragen. Bereits am kommenden Mittwoch verteilen die Wiener SPÖ-Frauen auf der Straße Antistressbälle und Informationen zu speziellen Fördermaßnahmen der Stadt. (APA)

 

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    Die Buntheit der verschiedenen Rollen soll ausgeweitet und ins Bewusstsein gebracht werden.

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