Mehr Neuinfektionen durch sorglose Ignoranz

3. März 2009, 09:51
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In den vergangenen beiden Jahren in der Steiermark um 30 Prozent mehr Neuinfektionen - HIV-Ansteckung leicht zu verhindern

Saalfelden - Die HIV-Infektion und die Aids-Erkrankung sind in den westlichen Industriestaaten mittlerweile gut behandelbar. Doch die Sorglosigkeit bezüglich einer Ansteckung greift wieder um sich. Der steirische Experte Oberarzt Andreas Kapper vom LKH Graz West warnte Montagabend bei der 42. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer (bis 6. März) in Saalfelden speziell vor vermehrten HIV-Infektionen bei Jugendlichen. Hier zeige der Trend deutlich nach oben.

"Wir haben jedes Jahr eine zehnprozentige Steigerungsrate an Neuinfektionen bei jungen Menschen. In der Steiermark betrug sie in den beiden letzten Jahren je 30 Prozent", sagte der Arzt, der sich schon seit rund 20 Jahren mit HIV und Aids beschäftigt.

Die Zahlen laut Kapper: "Man schätzt, dass es weltweit zirka 40 Mio. HIV-Positive gibt. In Österreich sind es zwischen 6.000 und 10.000. In Österreich sind bisher rund 2.000 Menschen an Aids gestorben sind. Im südlichen Afrika sind bisher 14 Millionen Menschen gestorben. Da ist eine ganze Generation gestorben. Im südlichen Afrika gibt es jährlich vier Millionen Neuinfektionen. Das entspricht täglich 15.000 Neuinfektionen weltweit, davon 1.700 Kinder unter 15 Jahren."

Dabei könnten die HIV-Infektionen - egal wo - eigentlich leicht verhindert werden: Kein ungeschützter Geschlechtsverkehr und Vermeiden des "Spritzentausches" bei i.v.-Drogenabhängigen. Das Immunschwächevirus selbst ist im Vergleich zu anderen Viren eigentlich gar nicht so infektiös. Kapper: "Das Hepatitis B-Virus ist hundertmal infektiöser als HIV, das Hepatitis C-Virus zehnmal ansteckender."

So sehen die Wahrscheinlichkeiten einer Infektion je nach Risikoverhalten aus:

- 16 bis 25 Prozent der Schwangeren übertragen HIV auf das Ungeborene bzw. das Neugeborene, wenn sie keine wirkungsvolle Therapie in der Schwangerschaft und bei der Entbindung bekommen. Im letzteren Fall sinkt das Risiko auf weniger als zwei Prozent.

- Analverkehr (Mann/Mann; Mann/Frau): 0,8 bis 3,2 Prozent.

- Spritzentausch: 0,67 Prozent.

- Stich mit Injektionsspritze im Rahmen einer medizinischen Handlung: 0,32 Prozent. Kapper: "Die Panik im Spital, was (Nadel-)Stichverletzungen betrifft, ist unbegründet."

- Vaginalverkehr (Mann/Frau): 0,5 bis ein Prozent.

Bei den sexuellen Übertragungswegen erhöht sich das Risiko drastisch, wenn einer der Partner auch noch eine andere sexuell übertragbare Erkrankung aufweist. Mittlerweile gibt es schon fünf verschiedene Wirkungsmechanismen von Aids-Medikamente, um das HI-Virus im Körper des Patienten unter die Nachweisgrenze zu bringen. (APA)

 

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