Postdienste beim Greißler

3. März 2009, 19:18
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Das Postpaket mit 450 Partnern als Ämterersatz stößt auf Skepsis und Abwehr, die Gewerkschaft droht mit Streik

Rund drei Viertel der Bevölkerung werden ihre Postgeschäfte künftig immer öfter bei Adeg & Co oder gar im Reisebüro abwickeln können oder müssen. Die Post will bis Jahresende 300 eigene Filialen schließen.

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Wien - Österreichs Post will sich von defizitären Ämtern trennen, gleichzeitig aber das Servicenetz enger knüpfen und sich dabei verstärkt auf Partner stützen. Bis Ende 2009 sollen knapp 300 Kleinfilialen mit ein bis zwei Mitarbeitern geschlossen und durch Postpartner ersetzt werden. Diese will man im Lebensmittelhandel, bei Trafikanten, Tankstellenpächtern oder in Reisebüros finden, sagte der für das Filialnetz zuständige Vorstand Herbert Götz bei der Präsentation des Universaldienstkonzepts.

Die Universaldienstverordnung schreibt der Post eine flächendeckende Versorgung Österreichs mit Brief- und Paketdiensten vor. Das Post-Management will denn auch nichts von einer Angebotsausdünnung wissen. "Keine Filiale wird geschlossen, wenn nicht gleichzeitig ein Partner gefunden wurde. Außerdem wollen wir in 150 Gemeinden, wo es bis jetzt noch keine Postfiliale gibt, Postpartner finden", sagte Götz. Insgesamt gäbe es 3000 Kandidaten.

Die Partner sollen das idente Angebot einer kleinen Postfiliale haben - Geldgeschäfte inklusive. Das Gros der Filialschließungen entfällt auf Oberösterreich, wo 65 der 215 bestehenden Filialen dichtgemacht und durch Postpartner ersetzt werden sollen. Darüber hinaus will die Post in Oberösterreich an 45 Standorten, die kein Postamt haben, Partner finden.

In Niederösterreich sehen die Pläne die Umwandlung von 64 der aktuell 304 Postämter in Postpartner-Stellen vor, in Tirol 45 der derzeit 139 Postfilialen. Einzig im Bundesland Wien sind keine Partnerschaften geplant.

Kritik von der Politik

Österreichweit gibt es neben den rund 1300 Postfilialen rund 200 Partnerschaften der Post - mit gemischten Erfahrungen (siehe Subgeschichte). Zusätzlich unterhält die Post noch 312 Servicestellen mit eingeschränktem Angebot.

Als Grund für die Neuausrichtung nannte Götz die bevorstehende Vollliberalisierung des Postmarkts ab 2011, auf den man sich rechtzeitig vorbereiten müsse. Die vor der Schließung stehenden Postämter hätten 2008 einen Verlust von zwölf Mio. Euro verursacht; pro Filiale seien jährlich Kosten von 65.000 Euro angefallen. Dem stünden rund 15.000 Euro gegenüber, die ein Postpartner jährlich an Provision erhalte. Kündigungen soll es keine geben. Die von den Schließungen betroffenen Postmitarbeiter sollen in nahegelegenen Ämtern unterkommen.

Wenig Begeisterung riefen die Post-Pläne bei Bundeskanzler Werner Faymann und Infrastrukturministerin Doris Bures hervor. Faymann kündigte eine strenge Prüfung der Frage an, ob die versprochenen Alternativleistungen tatsächlich gleichwertig seien. Kritik an der Post äußerten auch Landespolitiker. Christgewerkschafter Manfred Wiedner schloss "massive Streikmaßnahmen" nicht aus.

Unterstützung für die Postpläne kommt aus dem Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). "Ich halte das (weniger Filialen, mehr Partner; Anm.) grundsätzlich für sinnvoll; der Markt soll entscheiden", sagte Wifo-Mann Michael Böheim dem Standard. Dass Partnerschaften zufriedenstellend funktionierten, sei "eine Frage des Feintunings und von sonst nichts". (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.03.2009)

Auf der Homepage der Post können Interessierte nachlesen, wie es mit ihrem Postamt aussieht. Infos unter http: www.post.at/postpartner

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  • Der eine oder andere Postkunde muss in Hinkunft vielleicht auch vermehrt die "Außendienstmitarbeiter" der Post in Anspruch nehmen.
    foto: standard/urban

    Der eine oder andere Postkunde muss in Hinkunft vielleicht auch vermehrt die "Außendienstmitarbeiter" der Post in Anspruch nehmen.

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