Heimtückischer Krebs

3. März 2009, 15:26
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Tiroler Experten spüren den Blasenkrebs mit vier verschiedenen Tests auf - Eine spezifische Früherkennungsmethode ist derzeit noch ausständig

„Die Assoziation mit dem Rauchen ist beim Blasenkarzinom ganz besonders groß", weiß Hannes Steiner, Facharzt für Urologie an der Medizinischen Universität in Innsbruck. Rauchen und Krebs sieht die Bevölkerung primär mit dem Lungenkrebs vergesellschaftet. Wie der Rauch in die Blase kommt, lässt sich jedoch erklären. Verschiedene schädliche Inhaltsstoffe der Zigarette werden über die Harnwege ausgeschieden und kumulieren auf diesem Weg hochkonzentriert in der Blase.

Nicht nur was das Rauchen anbelangt ist der Blasenkrebs ein missachtetes Kind unter den Karzinomen. Meist vergehen Jahre von der Entstehung der ersten entarteten Harnblasenzelle bis hin zur endgültigen Diagnose. Und wächst dann mitunter völlig beschwerdefrei vor sich hin. Untersuchungsmethoden, ihm früher auf die Spur zu kommen gibt es zwar, allerdings sind diese aufwendig und vor allem als spezifische Blasenkrebsfrüherkennungsmethode durch Studien derzeit noch nicht belegt.

Früherkennung in Tirol

Nicht zuletzt deshalb widmet der Innsbrucker Urologe seine Aufmerksamkeit gerade dem Krebs in der Blase. Gemeinsam mit seinem Team hat er 2007 in Tirol ein eigenes Früherkennungsprogramm eingerichtet. Zielgruppe ist die Hochrisikogruppe der starken Raucher. Steiner zählt Menschen dazu, die mehr als 40 Jahre lang täglich eine Packung Zigaretten rauchen oder 20 Jahre lang sogar zwei.

Im Rahmen dieser Einrichtung wird seither der Urin teilnehmender Raucher genau analysiert. Vier verschiedene Tests sind erforderlich, um signifikante Hinweise auf einen möglichen Verdacht zu bekommen. Dem Verdacht folgt, nach Einladung des betroffenen Rauchers, die Abklärung. Im Fall eines Blasenkarzinoms heißt das: Der gesamte Harntrakt, von der Niere bis zur Harnröhre hinunter, wird genau untersucht. Das inkludiert unter anderem eine Harnblasenspiegelung und eine bildgebende Darstellung dieser Region. Den endgültigen Beweis bringt die Histologie, nachdem das verdächtige Gewebe zuvor biopsiert worden ist.

Unauffälliger Tumor

„Die meisten Blasenkarzinome sind Urothelkarzinome, ausgehend vom Übergangsepithel in der Harnblase", erzählt Steiner von der histologischen Beschaffenheit dieser Tumore. Fast immer breiten sie sich diese oberflächlich an der Innenseite der Harnblase aus. Das ist einerseits gut, denn oberflächliche Wucherungen sind wesentlich weniger gefährlich wie invasiv wachsende. „Jedoch kann dieser Vorteil mitunter von Nachteil sein. Spätestens dann, wenn der oberflächlicher Tumor bereits die gesamte Blase ausfüllt, ohne dass ihn jemand bemerkt", ergänzt Steiner. Wie erwähnt, besitzt dieser Krebs keine spezifischen Frühsymptome. Nur manchmal warnt er die Betroffenen mit sichtbarem Blut im Urin oder auffällig häufigem Harndrang warnen.

So wie der PSA (Prostata spezifisches Antigen) mittlerweile fixer Bestandteil des Vorsorgeprogamms bei Prostatakarzinomen ist, wünscht sich Steiner eine bessere Methode zur Früherkennung von Blasenkarzinomen. „Die Kombination aus den vier Testmethoden ist noch lange nicht das gelbe vom Ei", so der Experte und hegt die Vision von einem einzigen aussagekräftigen Test, der die Früherkennung von Blasenkarzinomen deutlich vereinfachen würde. Derzeit werden die Harnproben unter anderem auf Blut, verdächtige Zellen, Zellabbauprodukte und Veränderungen der DNA untersucht. Eine Aufnahme in die Vorsorgeuntersuchung NEU macht allein die Aufwendigkeit dieser Verfahren unmöglich.

Rückkehr wahrscheinlich

Die Freude darüber, dass der Blasenkrebs auch bei ausgedehnter oberflächlicher Ausbreitung eine gute Prognose besitzt, verführt leider auch dazu ihn als „harmlosen" Krebs zu betrachten, der eine Früherkennung nicht zwingend erforderlich macht. Steiner warnt vor dieser gefährlichen Fehleinschätzung: „Der Blasenkrebs besitzt eine besonders hohe Neigung zu rezidivieren" Konkret kehrt der bösartige Tumor in 50% der Fälle innerhalb eines Jahres zurück. (Regina Philipp, DerStandard.at, 04.03.2009)

  • Der Blasenkrebs verhält sich meist über lange Zeit unauffällig
    foto: standard/matthias cremer

    Der Blasenkrebs verhält sich meist über lange Zeit unauffällig

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