Althaus wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

3. März 2009, 12:50
120 Postings

Der thüringische Ministerpräsident muss vor das Bezirksgericht. Ihm droht bis zu einem Jahr Haft wegen fahrlässiger Tötung - Ob er selbst kommen wird, ist unklar

Graz/Wien - Dieter Althaus, Ministerpräsident des deutschen Bundeslandes Thüringen, kommt vor das Bezirksgericht Irdning. Am Montagnachmittag verkündete das zuständige Landesgericht Leoben, dass sich er CDU-Politiker wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verantworten muss. Zur Erinnerung: Althaus war am 1. Jänner beim Skifahren auf der Riesneralm in eine Slowakin geprallt. Die Frau starb dabei, Althaus selbst wurde schwer verletzt. Nun droht ihm eine Strafe bis zu einem Jahr Haft.

Die Staatsanwaltschaft hat sich damit durchgesetzt. Sie wirft Althaus vor, beim Einfahren in die Abfahrtsstrecke die FIS-Regeln verletzt zu haben - er hatte sich nicht versichert, dass er dies ohne Gefahr machen könne. Statt dessen fuhr er schwungvoll hangaufwärts: in einem "langgezogenen Linksbogen ... mit einer Geschwindigkeit von zumindest 40 km/h". Und das, obwohl er laut Anklage schon erkennen konnte, dass ihm die Frau entgegenkam. Der Unfall wäre also vermeidbar gewesen.

Diplomatische Schwierigkeiten wird der Prozess wohl nicht bringen - denn als Ministerpräsident genießt Althaus keine diplomatische Immunität. "Er muss auch nicht notwendigerweise persönlich vor Gericht erscheinen", sagt Sabine Anzenberger, Sprecherin des Landesgerichtes Leoben, zum Standard. "Er kann auch einen Machthaber stellen", also einen Beauftragten.

Entscheidung unklar

Wie sich der Politiker entscheiden wird, ist noch unklar. Auf sein Recht, sich vom Staatsanwalt zu den Vorwürfen vernehmen zu lassen, hat er während der Ermittlungen verzichtet. Die Anklagebehörde hatte nichts dagegen - Althaus konnte glaubwürdig versichern, dass er sich an den Unfall absolut nicht mehr erinnern könne. Die ihn belastenden Sachverständigengutachten hat er aber zur Kenntnis genommen, auch die Verantwortung für den Tod der 41-jährigen Mutter eines Einjährigen hat er bereits übernommen.

Die Genesung von Althaus macht dagegen gute Fortschritte, ist auf der Homepage des deutschen Freistaates zu lesen. Der behandelnde Arzt geht davon aus, dass sie in den nächsten Wochen solche Fortschritte machen werde, dass der Ministerpräsident zwischen Pfingsten und der Sommerpause seine politischen Ämter wieder aufnimmt.

"Der Ministerpräsident darf mittlerweile fernsehen, kurze Telefongespräche mit Familienangehörigen führen und das Internet nutzen. Seine Physis erlaubt es ihm seit einiger Zeit, gemeinsam mit seiner Frau auch längere Spaziergänge in der Umgebung zu unternehmen", findet sich im ärztlichen Bulletin.

Der Politiker war nach dem Unfall zwei Tage im Landeskrankenhaus Schwarzach im Koma gelegen und wurde am 9. Jänner nach Deutschland überstellt. (Michael Möseneder, DER STANDARD-Printausgabe, 3.3.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Von links (roter Pfeil) kam Althaus rasant die Piste herunter und fuhr hangaufwärts in die Panoramaabfahrt ein. Die bergabfahrende 41-Jährige hatte keine Chance auszuweichen, sagt die Anklage.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dem 50-jährigen Dieter Althaus droht bis zu einem Jahr Haft.

Share if you care.