Fixerräume anerkannt und umstritten

2. März 2009, 18:38
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Als gesundheitsbezogene Maßnahme sind Räume, in denen Junkies konsumieren können, anerkannt - aber auch politisch umstritten

Zürich/Berlin/Wien - Der Platzspitz in Zürich, die Haschischwiese in Frankfurt am Main oder die Kinder vom Bahnhof Zoo in Berlin - in den 1980er-Jahren gab es in zahlreichen Städten große offene Drogenszenen. Repression allein konnte die Probleme nicht lösen, vielerorts wurden deshalb Konzepte entworfen, die auf Hilfe statt Strafe für Suchtkranke setzten. Nachdem auch noch die HIV-Rate unter Heroinkonsumenten in ganz Europa in die Höhe geschnellt war, eröffnete 1986 in Zürich als ein Teil des niederschwelligen Betreuungsangebotes das erste "Fixerstübli".

Die großen offenen Drogenszenen gibt es nicht mehr, das Angebot der Konsumräume wurde dennoch ausgebaut: Mittlerweile gibt es 18 in der Schweiz, jeweils 16 in Deutschland und in den Niederlanden und seit 2003 auch zwei im kanadischen Vancouver.

Politisches Umfeld

Als gesundheitsbezogene Maßnahme sind Räume, in denen Junkies unter kontrollierten Bedingungen Suchtgift konsumieren können, anerkannt. "Der Gesundheitszustand der Klienten stabilisiert oder verbessert sich, der Zugang zu anderen Einrichtungen der Drogenhilfe wird erleichtert, die Anzahl von Todesfällen durch Überdosis sinkt, das Risiko der Übertragung viraler Infektionen (HIV und Hepatitis) auf dem Blutweg wird beschränkt", fasst Professor Alfred Springer vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Suchtforschung in einer vergleichenden Expertise für den Fonds Soziales Wien zusammen.

Doch praktisch überall, wo Konsumräume geschaffen wurden, sind sie auch politisch umstritten. "Nach wie vor kämpfen die meisten Anlaufstellen in einem schwierigen politischen Umfeld mit unzureichenden Ressourcen - im besten Fall werden sie kaum mehr beachtet und leisten sisyphusgleich ihre tägliche Arbeit", resümiert Evelyne Flotiront von der Suchthilfe der Region Basel. (simo/DER STANDARD-Printausgabe, 3.3.2009)

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