Blutiges Ende zweier Rivalen

2. März 2009, 18:24
5 Postings

Soldaten ermordeten Präsident João Nino Vieira, um sich für den Tod ihres Generalstabschefs zu rächen

Nairobi/Bissau - Die Feindschaft zwischen Präsident João Nino Vieira und seinem Generalstabschef Batista Tagme Na Wai war in Guinea-Bissau kein Geheimnis, im Gegenteil. In der einst portugiesischen Kolonie fragte man sich schon lange hinter vorgehaltener Hand, wer den anderen wohl zuerst umbringen werde. Beide Männer hatten in den vergangenen Wochen Attentate überstanden, für die sie sich gegenseitig verantwortlich machten. Am Montagnachmittag war klar: Beide sind tot. Wer das seit der Unabhängigkeit 1974 immer wieder von Unruhen und Putschen erschütterte Land derzeit regiert, ist unklar.

Tagme Na Wai starb zuerst: Am Sonntagabend detonierte eine Bombe unweit seines Büros mitten im Hauptquartier der Armee. Der Armeechef erlag noch vor Ort seinen Verletzungen. Tagme Na Wais Anhänger bliesen kurz darauf zum Gegenangriff. "Wir werden die Mörder verfolgen und uns rächen" , kündigte Armeesprecher Samuel Fernandes vor Journalisten an, kurz bevor er die Einstellung aller Programme verlangte.

Als am Montag über Bissau die Sonne aufging, beschossen Soldaten den Präsidentenpalast mit Raketen und schwerem Geschütz. "Präsident Vieira wurde auf der Flucht aus seinem Haus erschossen" , erklärte am Mittag ein weiterer Armeesprecher, Zamora Induta, der Vieira für den Tod Tagme Na Wais verantwortlich machte. Vieiras Frau ließen die Soldaten ziehen: Sie soll sich in der Botschaft Angolas aufhalten, dem engsten Verbündeten Vieiras.

"Geschenk Gottes"

Der 69-jährige Vieira hat Guinea-Bissau so sehr geprägt wie kaum jemand sonst: 1980 putschte er den Bruder des Befreiungshelden Amilcar Cabral aus dem Amt und ließ sich 1994 in Wahlen bestätigen. Fünf Jahre später putschte das Militär gegen Vieira, Bürgerkrieg brach aus. Der im Jänner 2000 gewählte Präsident Kumba Yala wurde bereits nach drei Jahren vom Militär abgesetzt - als 2005 der Frieden zurückkehrte und Neuwahlen angesetzt wurden, kehrte Vieira wie Phoenix aus der Asche aus Portugal zurück und wurde erneut gewählt. Als "Geschenk Gottes für Guinea-Bissau" feierte sich Vieira. Das Band mit Tagme Na Wai, der den Balante, der größten Ethnie des Landes, angehörte, war da bereits zerrissen: Als Vieiera 1986 gegen einen angeblichen Putschversuch der Balante vorging, ließ er Tagme Na Wai foltern und kastrieren.

In Bissau war die Stimmung am Montagnachmittag ruhig, aber angespannt. Die Armee rief die Bewohner auf, ihre Häuser nicht zu verlassen, und errichtete Straßensperren. Armeesprecher Induta widersprach Putsch-Berichten und versprach, die Streitkräfte stünden zur Verfassung. "Wir gehorchen den Institutionen der Republik."

Wenn das stimmen sollte, heißt der neue starke Mann Raimundo Pereira, ein Jurist, der erst Ende Dezember zum neuen Parlamentspräsidenten gewählt wurde. Binnen 60 Tagen, so sieht es die Verfassung vor, würden dann Neuwahlen angesetzt.

Außenminister und Diplomaten drängten am Montag auf eine schnelle Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung. Hintergrund ist vor allem die schon seit Jahren herrschende Angst, dass die Drogenmafia vollends die Macht in Guinea-Bissau übernehmen könnte. Das Land ist einer der wichtigsten Umschlagplätze für Kokain auf dem Weg von Südamerika nach Europa. Vieira und seiner Regierung war immer wieder vorgeworfen worden, direkt an dem lukrativen Geschäft beteiligt zu sein. (Marc Engelhardt, DER STANDARD, Printausgabe, 3.3.2009)

  • João Nino Vieira, Präsident von Guinea-Bissau, wurde auf dem
Präsidentenanwesen ermordet - offenbar aus Rache. Zuvor war sein
Rivale, Generalstabschef Batista Tagme Na Wai, einem Anschlag zum Opfer
gefallen. Foto: EPA/Paulo Carrico
    foto: epa/paulo carric

    João Nino Vieira, Präsident von Guinea-Bissau, wurde auf dem Präsidentenanwesen ermordet - offenbar aus Rache. Zuvor war sein Rivale, Generalstabschef Batista Tagme Na Wai, einem Anschlag zum Opfer gefallen. Foto: EPA/Paulo Carrico

Share if you care.