Teamchef Brückner muss gehen

2. März 2009, 18:20
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Nach einem Gespräch mit Prä­si­dent Windtner gab der ÖFB die einvernehmliche Trennung bekannt

Wien - Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) hat sich am Montag einvernehmlich von Teamchef Karel Brückner getrennt. Die Entscheidung gab ÖFB-Neo-Präsident Leo Windtner nach einem ausführlichen Telefongespräch mit dem 69-jährigen Tschechen bekannt. "Wir haben beschlossen den Vertrag einvernehmlich aufzulösen. Ich glaube, es waren beide Seiten erleichtert", sagte Windtner. Ein Nachfolger soll innerhalb der nächsten zehn Tage gefunden werden. Bereits am 1. April steht das wichtige WM-Qualifikationsspiel in Klagenfurt gegen Rumänien an.

Handvoll Nachfolger

Zu etwaigen Nachfolgekandidaten wollte sich Windtner noch nicht äußern. "Es gibt etwa eine handvoll Kandidaten", verriet der Vorstands-Vorsitzende der Energie AG Oberösterreich nur. Man wolle eine kurzfristige Lösung aufbauen, sich aber auch eine langfristige nicht verbauen. Es gehe vor allem um folgende Frage: "Wer kann das Gefühl vermitteln, dass er für den 1. April noch etwas bewegen kann?"

"Totale Leistungsbereitschaft"

Dass es nach Brückner neuerlich einen ausländischen Teamchef geben könnte, schloss Windtner zumindest nicht aus. "Es muss gelingen, dass die Mannschaft wieder eine totale Leistungsbereitschaft zeigt. Ich sage nicht In- oder Ausländer, sondern tendiere zu einem passenden Trainer", merkte der 58-Jährige an. Bei der Bestellung ist der neue starke Mann des ÖFB auf einen breiten Konsens aus. "Ich werde das Direktorium und maßgebliche Experten einbinden und auch nicht über die Köpfe der Bundesliga hinweg entscheiden", betonte Windtner. Die Entscheidung zu verantworten werde ihm aber niemand abnehmen.

Dass es zu einer Übernahme eines derzeitigen Vereinstrainers - oft wurde zuletzt Sturm-Graz-Coach Franco Foda (der am Montag vor der Entscheidung betont hatte, dass es noch keinen Kontakt gegeben hat) ins Gespräch gebracht - kommen könnte, glaubt der ÖFB-Präsident eher nicht. "Ich glaube, dass wird relativ schwierig", merkte Windtner diesbezüglich an.

Herzog/Kocian-Zukunft offen

Wie es mit dem bisherigen Assistenz-Duo Andreas Herzog und Jan Kocian weitergeht, steht ebenfalls noch in den Sternen. "Es steht völlig offen, wie es mit Andreas Herzog weitergeht. Ich will keine Qualifizierung machen", sagte Windtner. Mit dem Slowaken Kocian, der noch einen Vertrag bis Jahresende hat, wird der ÖFB-Präsident jedenfalls bereits am Dienstag ein Gespräch führen.

Brückner geht in Pension

Das Gespräch des erst am Samstag offiziell zum Präsidenten gekürten Windtner mit Brückner habe 15 bis 20 Minuten gedauert und sei sehr konstruktiv gewesen. "Er ist nicht mangels Willen nicht öfters nach Österreich gereist", verwies der Oberösterreicher auch auf die gesundheitlichen Probleme des 69-Jährigen. Der Tscheche habe ihm auch vermittelt, dass die Trennung gleichbedeutend mit dem Ende der Trainerkarriere des ehemaligen Erfolgstrainers sei.

Die Zeichen waren bereits nach dem schwachen Auftreten des ÖFB-Teams im ersten Länderspiel des Jahres Anfang Februar in Graz gegen Schweden (0:2) und einem Gespräch im Rahmen dessen mit Brückner und Teamkapitän Andreas Ivanschitz ("Man konnte nicht das Gefühl mitnehmen, dass sie unbedingt gewinnen wollen") auf Abschied gestanden. "Beim Schweden-Match war deutlich erkennbar, dass der Elan und die Power nicht mehr drinnen sind. Was in den vergangenen Wochen abgelaufen ist, hat sich im Schweden-Match fest manifestiert", brachte es Windtner auf den Punkt. Der Spielerrat um Ivanschitz und Martin Stranzl wurden von der Entscheidung informiert.

Nun gelte es mit voller Power in das WM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien zu gehen. Bereits am 20. März gibt der neue Teamchef den Kader bekannt, der sich danach eine Woche lang in Velden auf die Partie vorbereitet. Brückner hatte das Amt erst am 25. Juli des vergangenen Jahres übernommen und in sieben Spielen nur einen Sieg bei zwei Remis und vier Niederlagen geholt.

In der WM-Qualifikation folgten nach einem sensationellen 3:1-Heimsieg gegen Frankreich, bittere Niederlagen in Litauen (0:2) und gegen Serbien (1:3) sowie ein blamables 1:1-Auswärtsremis gegen die Färöer. Österreich (4 Punkte/4 Spiele) liegt in der Qualifikationsgruppe 7 derzeit auf Rang vier. Serbien (9/4) führt vor Litauen (9/4) und Frankreich (4/3). Rumänien (4/3) ist vor den Färöer (1/4) Fünfter. (APA)

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    Sieben Spiele - dann war die Geduld des ÖFB mit Teamchef Brückner am Ende.

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