"Es sind alle danebengelegen"

2. März 2009, 18:11
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Die Meinungsforscher zweifeln nach diesem Wahlsonntag ihre eigenen Methoden an: "Das Ergebnis ist jenseitig"

Die Meinungsforscher waren in Kärnten komplett danebengelegen. Praktisch alle Institute waren von einem knappen Rennen zwischen BZÖ und SPÖ ausgegangen. Aufgrund ihrer Daten war die SPÖ sogar davon ausgegangen, dass es möglich sein müsste, das BZÖ zu überholen. Das Ergebnis am Sonntag: Das BZÖ erreichte satte 45 Prozent, die SPÖ war auf 28 Prozent abgestürzt. Statt eines Kopf-an-Kopf-Rennens gab es 17 Prozent Unterschied.

"Das Ergebnis ist jenseitig. Es sind quer durch die Branche alle danebengelegen", gestand Peter Hajek am Montag ein. Der Meinungsforscher will gemeinsam mit seinen Kollegen prüfen, ob bei den Umfragemethoden "nicht etwas weiterentwickelt werden muss". Das Gros der heimischen Meinungsforschungsinstitute erachtet nach dem überraschend hohen Wahlsieg des BZÖ eine Methodendiskussion für fällig.

Bei einer Ende Jänner für die SPÖ durchgeführten Befragung des Sora-Instituts lag die SPÖ in Kärnten gar mit 41 Prozent drei Prozentpunkte vor dem BZÖ. Am Wahlsonntag fiel die SPÖ dann aus allen Wolken, als ganz andere Ergebnisse eintrudelten. Auch Bundeskanzler Werner Faymann soll total überrascht gewesen sein. Sora-Geschäftsführer Günther Ogris verwies auf historische Beispiele wie die Wahl John Majors zum britischen Premier anno 1992 und die EU-Beitrittsabstimmung 2004, wo die Meinungsforscher derart "unisono verkehrt lagen": "Kärnten ist auch so eine Ausnahme." Im Gegensatz zur Landtagswahl in Salzburg, wo alle weitgehend richtig prognostiziert hätten. Er befürworte eine "möglichst gute Methodenprüfung", so Ogris.

Über den Vorwurf von OGM-Chef Wolfgang Bachmayer, dass die SPÖ für Kärnten Umfragen zu ihren Gunsten "bestellt" hätte, zeigte Ogris sich lediglich "verwundert". Gallup-Chef Fritz Karmasin sprang bei: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kollege sich so weit beeindrucken lässt, dass er Daten fälscht." Auch market-Geschäftsführer Werner Beutelmeyer stellte derartige Praktiken in Abrede. "Da müsste man ja die gesamte Marktforschung kaufen."

Schwieriges Schönreden

Bei der SPÖ herrschte am Montag Katerstimmung. Bundeskanzler Faymann hatte am Sonntagabend seiner Enttäuschung über das Kärntner Ergebnis Ausdruck verliehen, Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas war offensichtlich völlig überrascht und dementsprechend konsterniert. Der Versuch, das Wahlergebnis noch schönzureden, misslang gründlich.

Bei den roten Landeschefs, die Wahlen vor sich haben, läuten nach den massiven Verlusten in Salzburg und Kärnten die Alarmglocken. Erich Haider, der im Herbst in Oberösterreich den schwarzen Landeshauptmann Josef Pühringer herausfordern will, weiß nun, dass er dies ohne Rückenwind tun muss. Auch von der bundespolitischen Konstellation, einer auf Harmonie angelegten Kuschelkoalition, kann er sich keinen Vorteil erhoffen. Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der spätestens 2010 Wahlen zu schlagen hat, setzt darauf, dass er als Amtsinhaber einen kräftigen Bonus hat, dass die SPÖ in Wien aber die absolute Mandatsmehrheit verteidigen kann, daran glaubt niemand mehr.

Herausforderer in Wien ist FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Das Wahlergebnis in Kärnten hat gezeigt, dass Blau nicht überall wirkt - in Kärnten flog die FPÖ aus dem Landtag. Zugleich ist aber in allen Bundesländern ein Wiedererstarken des dritten Lagers zu registrieren.

Die ÖVP ist mit dem vergangenen Wahlsonntag nicht unglücklich. In Kärnten konnte man zulegen, wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau. Immerhin: plus fünf Prozentpunkte. In Salzburg wurde von Wilfried Haslauer der freie Fall gestoppt. Ein Minus von 1,7 bedeutet zwar mit 36,2 Prozent das historisch schlechteste Ergebnis in Salzburg, aber Bundesparteichef Pröll hat sich dieses Wahlergebnis schöngeredet: Der Abstand zur SPÖ ist geschrumpft. (völ/DER STANDARD Printausgabe, 3. März 2009)

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