Niederösterreichs Feuerwehrleute auf der Couch

2. März 2009, 17:59
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Psychologen-Hilfe gegen potenzielle Brandstifter

St. Pölten/Graz - Wie verhalte ich mich in meiner Gruppe? Wie spreche ich mit einem Feuerwehr-Mitglied, das nicht so gut drauf ist? Antworten auf Fragen wie diese sollen Niederösterreichs Feuerwehrkommandanten in Zukunft regelmäßig in ihrer Fortbildung bekommen. Seit Anfang 2007 steht ein Modul zur psychologischen Schulung auf ihrem Lehrplan, das nun ausgebaut werden soll. Trauriger Anlass dafür sind die Brandstiftungen von Hirschwang: Dienstag der vergangenen Woche wurde ein 22-jähriges Feuerwehrmitglied als Verdächtiger festgenommen. Der junge Mann gestand inzwischen auch eine neunte Tat, durch die ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sein soll.

Ziel der Schulung wird laut Landes-Feuerwehrkommandant Josef Buchta sein, den Funktionären einen "Leitfaden" in die Hand zu geben. Dieser soll helfen, Problemfälle im Team zu erkennen und damit richtig umzugehen. Derzeit führt er mit verschiedenen Experten Gespräche über die Umsetzung des Vorhabens - etwa mit Rotraud Perner. Die Psychoanalytikerin spricht von einem "neuen Ansatz" der Feuerwehr. "Jeder Mensch hat Schattenseiten. Die Frage ist, wie damit umzugehen ist. Das ist eine Kunst, weil man nichts predigen darf, sondern wirklich kommunizieren muss." Gerade in Berufen, die "so männerdominiert sind", sei es wichtig, dass mehr Frauen Fuß fassen. "Wenn heftige Gefühle da sind, wird ein Ventil gesucht. Darauf sensibel einzugehen wäre wichtig, aber das ist noch nicht Usus." Frauen in dem Job würden zeigen, dass das Grundbild des Berufes - "der gepanzerte Held" - auch anders definiert werden könne. Derzeit sind in Niederösterreich laut Buchta vier Prozent der Feuerwehrleute weiblich.

Nicht überall stößt der Fortbildungsplan auf Zuspruch: "Ich habe nicht nur Freunde in der Situation", sagt Buchta. "Manche fragen mich, was sie noch alles tun sollen. Ich könne ihnen nicht noch mehr Aufgaben zumuten. Dabei will ich Unterstützer sein." Dass die Helfer kostenlos tausende Einsatzstunden leisten, werde von der Öffentlichkeit zu wenig wertgeschätzt.

Auto-Brandstifter gesucht

Viele Arbeitsstunden kostete ein Brandstifter die Feuerwehr vergangenes Wochenende in Graz: In der Nacht auf Sonntag wurden acht Autos angezündet, in zwei Fällen griffen die Flammen auf ein bewohntes Gebäude über. In einem der Häuser befanden sich mehrere Gasbehälter. Verletzt wurde niemand. Am Montag fehlte noch jegliche Spur zu einem Täter. (Gudrun Springer/DER STANDARD-Printausgabe, 3.3.2009)

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